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Museumschef Philipp Demandt : „Dann sind die Museen bald leer“

„Die Wirkung eines Kunstwerks liegt nicht zuletzt im Auge des Betrachters“: Philipp Demandt. Bild: Helmut Fricke

Soll man Werke von Künstlern aus ethischen oder moralischen Gründen abhängen? Der Frankfurter Museumschef Philipp Demandt warnt davor, Museen dem Zeitgeist zu unterwerfen.

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          Soll man Kunstwerke aus ethischen oder moralischen Gesichtspunkten heraus, abhängen? Diese Frage wird im Rahmen der „Me Too“-Debatte vermehrt aufgeworfen. Philipp Demandt, der Direktor des Städel Museums, der Liebieghaus Skulpturensammlung und der Kunsthalle Schirn in Frankfurt, hat darauf eine Antwort. „Natürlich gibt es Grenzen. Man muss nicht alles zeigen“, sagt er im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Aber wo wollen Sie anfangen? Wo aufhören? Bei der Kunst? Der Literatur? Der Musik? Erst hängen wir Bilder ab, dann die Freiheit an den Nagel.“

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Wenn man „die Tugendhaftigkeit des Künstlers zum Maßstab mache“, so Demandt weiter, „sind die Museen bald leer. Skandalfähigkeit war bis vor kurzem noch der Ausweis von Avantgarde schlechthin. Das Rohe, Verstörende und Kompromisslose war für einen Künstler geradezu eine Auszeichnung. Soll es heute die Angepasstheit sein? Caspar David Friedrich hat, schon im neunzehnten Jahrhundert, seine Frau schlecht behandelt, und für Renoir waren Frauen wie Früchte. Und dennoch sind sie grandiose Künstler.“

          Das vollständige Interview mit Philipp Demandt lesen Sie in der F.A.Z. oder bei F.A.Z.-Plus.

          „Die Wirkung eines Kunstwerks“, so Demandt, liege „nicht zuletzt im Auge des Betrachters. Und sie ist abhängig von den Zeitumständen. Jeder Mensch hat das Recht, ein Kunstwerk zu mögen oder aber abzulehnen. Aber über all dem steht das Recht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Und das kann der Betrachter nicht, wenn man ihm ein Kunstwerk vorenthält.“

          Das Absagen von Ausstellungen bekomme „Museen in der Regel weniger gut als eine klare Haltung. Wer es allen recht machen möchte, hat am Ende alle gegen sich. Und Rechtsprechung findet für mich immer noch im Gerichtssaal statt. Die zunehmende Bereitschaft, Künstler aufgrund nicht nachgeprüfter Vorwürfe vorzuverurteilen, sie gesellschaftlich zu ächten und ihr gesamtes Schaffen in Frage zu stellen, hat etwas zutiefst Beunruhigendes.“

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