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Motive der Trump-Anhänger : Die Irrtümer der Wähler-Beschimpfer

Wer es ihnen verargt, sollte zuvor einen Moment lang nachdenken, welche Lehrstücke an Stimmigkeit die angeblich Guten zuletzt aufgeführt haben. Weltweit haben sich die Sozialdemokratie und die „liberals“ als Arbeitsgruppe „Umverteilung nach oben“ bekanntgemacht, weltweit der Konservatismus als Verein zum Abnicken jedweder technokratischen Reform, weltweit der Liberalismus als Interessengemeinschaft Vermögensbesitz. Besonders amerikanische Wähler durften durchaus den Eindruck haben, dass zuletzt und seit Jahrzehnten die soziale Ungleichheit wie die Plutokratie unter jeder „Administration“ wuchs, ganz gleich, welcher Partei sie zugehörte. Den Wählern ihre Unbildung vorzuhalten, lenkt davon ab, dass die Bereitschaft, von Trumps Redensarten nicht mehr als krasse Unterhaltung zu verlangen, auf Erfahrungen mit den Redensarten der anderen beruht und auf Erfahrungen mit der Wirklichkeit, die diesen Redensarten folgte.

Amerika ist mehr als New York und Silicon Valley

Für Deutschland gilt, dass jede politische Talkshow den Populisten Wähler zuführt, weil viele die Phrasen nicht mehr anders als durch Affekte verarbeiten können. Man kann sich leicht ausrechnen, wie es in einem Land aussieht, das in puncto sozialer Ungleichheit und womöglich sogar in puncto Phrasen noch ganz anderes zu bieten hat.

Der Einwand, Trump selbst sei doch der größte Phrasendrescher, Teil der Plutokratie und bestimmt niemand, der sich in sozialen Fragen festbeißen wird, verfängt nicht. Denn er trifft zwar zu, sieht aber darüber hinweg, wie wenig es bei dem Willen, den Eliten einen Denkzettel zu verpassen, darauf ankommt, was und ob überhaupt etwas auf dem Denkzettel steht. Das galt für den Brexit, das gilt jetzt fürs Weiße Haus. Unfassbare Dummheiten, die sich eine Wählerschaft aber herausnimmt, die unter dem Eindruck steht, andere als krasse und dann eben auch krass törichte Botschaften drängen gar nicht mehr nach oben durch. Nichts individualisiert so sehr wie Widerstand gegen das Unabänderliche.

Je mehr also Politik den Leuten einredet, es gehe gar nicht anders, und je mehr sie zugleich dauernd etwas anderes macht und sich das als Pragmatismus zugutehält, desto mehr werden Wähler zur Anhängerschaft von etwas Irrationalem bereit sein. Nach einem berühmten Wort werden sie dabei nicht zu ihrem Recht kommen, sondern nur zu ihrem Ausdruck. Aber denjenigen, die glauben oder sich gern einreden lassen, zu ihrem Recht kämen sie ohnehin nicht, ist Ausdruck offenbar genug. Es sind also nicht die amerikanischen Wähler, über deren Dummheit oder Unbildung jetzt gesprochen werden müsste. Die Frage, die das Rätsel Trump stellt, ergeht vielmehr an jene, die jetzt ihr Erschrockensein ausstellen. Wie steht es um ihre Kenntnis der Zonen, aus denen jene Wähler kommen, wie um ihre euphemistische Einschätzung von Trumps Konkurrentin, wie um ihre historische Bildung und wie um ihren Glauben an Demoskopie?

Werden auch nach der Präsidentenwahl nicht ernst genommen: Anhänger von Donald Trump.

Man denkt bei Amerika an New York und an das Silicon Valley, mehr an Princeton als an Trenton, lässt sich die Ungleichheit in Amerika gern von Thomas Piketty erklären, drückt David Graeber und Occupy die Daumen; aber kommt man nicht auf die Idee, dass die meisten Wähler keine Studenten sind und, anders als Studenten, von der Globalisierung gar nicht profitieren? Man findet, dass alle Leute die Gesellschaft eigentlich super finden sollten, weil es einem selbst gut geht. Wenn die Leute wütend sind, hält man ihnen Vorträge über Vielfalt oder verweist sie an eine Linke, die es nicht gibt. Und glaubt, dass schon nichts passieren wird. Wie gebildet ist das eigentlich?

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