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Moscheebau : Die Angst vor dem Nachbarn

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Ein langer schmaler Schlauch: So sieht die Moschee der Ditib in Ehrenfeld heute aus Bild: Edgar Schoepal

Der Kölner Moscheebau stellt den sozialen Frieden im Stadtteil Ehrenfeld auf die Probe. Urkölsche Anwohner befürchten, dass das Viertel sein Gesicht verliert. Türkische Ehrenfelder sind erschreckt über die Polemik von ganz rechts. Jetzt ist es Zeit, dass man offen über die Streitpunkte spricht.

          Karin Feuerstein-Praßer wohnt nur einen Steinwurf von dem Platz entfernt, an dem die große Kölner Moschee entstehen soll. Beinahe jeden Tag betritt sie die Venloer Straße, das pulsierende Herz des Stadtteils Ehrenfeld, und passiert das langgezogene flache ehemalige Fabrikgebäude, das der Moschee weichen soll. Hier hat die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) ihren Sitz und auch seit mehr als zwanzig Jahren eine Hinterhofmoschee.

          Der Verein, der der türkischen Religionsbehörde Diyanet nahesteht, will heraus aus dem halbverfallenen Kastenbau und will sich zeigen: mit einem repräsentativen Gotteshaus für mehr als zweitausend Gläubige. Mit zwei 55 Meter hohen Minaretten, die höher werden sollen als der Turm der evangelischen Kirche in Ehrenfeld und knapp niedriger als der Turm von Sankt Joseph, der katholischen Pfarrkirche. Mit einer Kuppel, die durch die Darstellung als Erdkugel Weltoffenheit symbolisieren soll. Die meisten Kölner Politiker unterstützen das Vorhaben. Sie haben sogar den Moschee-Entwurf des katholischen Kirchenbaumeisters Paul Böhm mit ausgewählt. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) hat noch in den letzten Tagen einen zügigen Abschluss des Genehmigungsverfahrens gefordert, um das Thema aus dem Kommunalwahlkampf 2009 heraushalten zu können.

          Angst vor Veränderung des Stadtteils

          „Jeder soll sein Gotteshaus bauen dürfen“, sagt Karin Feuerstein-Praßer. Doch sie fürchtet, dass die Moschee ihren Stadtteil verändert. „Wir haben Angst, dass das Viertel umkippt, dass es eine Keupstraße wird.“ Die Keupstraße liegt in Köln-Mülheim und ist stark türkisch dominiert. Karin Feuerstein-Praßer beobachtet schon seit Jahren, dass sich auch in Ehrenfeld rund um die Moschee immer mehr türkische Geschäfte ansiedeln. Feuerstein-Praßer spricht aus, was viele nicht zu sagen wagen: Sie hat Angst, verdrängt zu werden aus Köln-Ehrenfeld, dem Stadtteil, der doch als so vorbildlich gilt, wenn es darum geht, dass Menschen verschiedener Religionen und Staatsangehörigkeiten miteinander auskommen.

          Zwei 55 Meter hohe Minarette und eine offene Kuppel: So sieht der Entwurf für die neue Moschee aus

          Noch ist in Ehrenfeld alles bunt gemischt. Hier reiht sich die Dönerbude an das italienische Eiscafé, der Biosupermarkt an den internationalen Telefonladen, der Druckerpatronenauffülldienst an die urkölsche Gaststube „Haus Scholzen“. Im „Bem“-Supermarkt sprechen die Kassierer besser Türkisch als Deutsch, in der Eckkneipe besser Kölsch als Hochdeutsch. Auf der Venloer Straße eröffnen türkische Cafés, in den Seitenstraßen Kneipen, in denen trendbewusste Sportstudenten an ihrer Bionade nippen.

          Schockiert über Ängste der Nachbarn

          Hatice Coban ist eine Ehrenfelderin mit Kopftuch. Wenn sie von der Venloer Straße mit ihren Einkäufen nach Hause läuft, wird sie demnächst nicht nur die Kirchtürme sehen können, den Fernsehturm und weit in der Ferne den Dom, sondern davor die Minarette und die Kuppel der Ditib-Moschee. Hatice Coban findet das gut. „Ich verstehe die Aufregung nicht“, sagt sie und ihre Stimme verfällt in ein kurzes Kieksen. „Ich finde es schön, wenn mal jeder in Köln sehen kann, wie eine Moschee aussieht.“ Sie geht selten selbst hin, obwohl sie ihren Mann einst bei einer Moscheeeröffnung kennengelernt hat. Als Kind musste sie jeden Samstag und Sonntag dorthin, „das war für mich ein Horror“.

          Bei der Ditib ist sie vielleicht zweimal gewesen, seit sie 2000 nach Köln gezogen ist, erzählt sie. Trotzdem ist ihr seltsam zumute geworden, als vor zwei Jahren auf einmal Flugblätter, auf denen die rechtspopulistische Partei „Pro Köln“ gegen den Neubau polemisierte, in ihrem Briefkasten gelegen hätten. „Ich war schockiert über die Ängste, die da geschürt werden. Wir sind ja nicht erst seit gestern in Deutschland.“ Coban ist in Deutschland geboren, in Heilbronn und Stuttgart aufgewachsen. „Wenn die Moschee in einem hässlichen Bürogebäude ist, ist es o.k. Aber sehen darf man uns nicht?“

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