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Mormonen : Mission erfüllt

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Bevor sie Karriere machen, gehen viele junge Mormonen ins Ausland auf Mission und trainieren Demut sowie die Fähigkeit zu überzeugen Bild: obs

Amerika erlebt den Aufstieg der Mormonen. Sie bestimmen die Politik, führen Unternehmen, schreiben Bestseller. Was macht die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage nur so erfolgreich?

          9 Min.

          Zwei komische Vögel im weißen Hemd und dunkler Krawatte tummeln sich in einem Operetten-Jungle: Bruder Arnold Cunningham und Bruder Kevin Price wurden nach Uganda, in ein Dorf im Norden des Landes gesandt, das von Bürgerkrieg, Aids und Hungersnot geplagt ist. Sie sind gekommen, um den Bewohnern, die sich noch ein wenig sträuben, das Wort Gottes aus dem Buch „Book of Mormon“, dem Buch der Mormonen zu predigen. Das ist auch der Titel des Musicals, in dem sie die Hauptrollen spielen. Leider habe ich es selbst noch nicht gesehen, die Vorstellungen sind bis Anfang Januar ausverkauft, dabei kosten sie bis zu dreihundertfünfzig Dollar. So groß ist der Erfolg dieses von den Kritikern hoch gelobten und mehrmals ausgezeichneten Stücks.

          Die Mormonen haben den Broadway erobert und streben nach jahrelanger Verfolgung und einem Leben am Rande der amerikanischen Gesellschaft nun die Eroberung des ganzen Landes an. Die Republikaner Mitt Romney und Jon Huntsman liebäugelten mit der Präsidentschaftskandidatur für die kommenden Wahlen, Harry Reid führt die demokratische Mehrheit im Senat; Glenn Beck, der Vorklatscher der Tea Party, ruft auf Fox News und bald auf einem eigenen Internetsender zum rechtsradikalen Feldzug gegen Barack Obama auf; Stephanie Meyer verkauft Vampirgeschichten in astronomischen Auflagen - mehr als 100 Millionen weltweit. Sie alle sind Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

          Aushängeschilder der amerikanischen Industrie, wie American Express, Dell, Fischer-Price, die Marriott Hotel Kette und Fluggesellschaften werden oder wurden von Mormonen geleitet; Banken reißen sich um die Absolventen der Mormonen-Universität Brigham Young (BYU) der Stadt Provo im Staat Utah ebenso wie die CIA und das FBI.

          Im Hauptquartier

          Erst kürzlich widmete „Newsweek“ dem „Mormonen-Moment“ Amerikas seine Titelgeschichte, während sich die Glaubensgemeinschaft, ihres Zuspruchs sicherer denn je, eine flächendeckende Werbekampagne in New York leistet: Sie werben auf einem riesigen Bildschirm am Times Square, auf den U-Bahn Waggons und den gelben Dächern der Metropolen-Taxen. Auf den Plakaten sieht man Victor, Anwalt aus Brooklyn; Joy, Surferin aus Hawaii; Lisa, eine charmante Bloggerin; einen jungen Basketball-Spieler, der Eis und Yoga liebt; einen wilden Motorradfahrer, der mit wehendem Haar dem Sonnenuntergang entgegen fährt. Sie inszenieren sich als gute, loyale Amerikaner, als glückliche und moderne Mormonen, deren Lebenswirklichkeit weit entfernt ist von stereotypen Vorstellungen, wie der eine „polygame Sekte“ zu sein, die sie lange Zeit in den Schatten der Gesellschaft stellten.

          Im Hauptquartier der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Salt Lake City, trifft man auf der Etage der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit weder Surfer noch Biker. Die Frauen tragen lange Röcke oder einfache Gewänder, die Männer weite, dunkle Anzüge und strenge Krawatten. Alle sind ungewöhnlich höflich und sehen erstaunlich gut aus, sogar die älteren Mitarbeiter, die in ihren Kästen sitzend ins Telefon flüstern, haben einen ungewöhnlich frischen Teint. Die Stimmung ist gedämpft, fast klinisch. Hier wird gearbeitet, hier schweigt man.

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