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Moral statt Ästhetik : Kunst im Computer, Kritik im Eimer

Szene aus dem Science-Fiction-Thriller „Ready Player One“ Tye Sheridan als Wade Owen Watts. Bild: Jaap Buitendijk

Die Musik, zu der wir tanzen, und die Bilder, über die wir staunen, sind zunehmend errechnet – nicht nur ökonomisch, sondern auch technisch. Kunstgerecht geredet wird darüber aber kaum.

          5 Min.

          Seit der ästhetische Effekt im Apparat errechnet wird, lässt Kulturkritik sich böse gehen. Am allerschlimmsten steht es bei Künsten, die ein großes Publikum erreichen. Es gibt fast nur noch zwei Sorten öffentlicher Äußerungen über sie: Entweder ärmster Subjektivismus („hat mich berührt“, „nervt“) oder Urteile, für die irgendein platter objektiver Befund ins Feld geführt wird, der sie auch dann nicht decken würde, wenn er wahr wäre: Ist ein Film schlecht, weil er „wie ein Computerspiel“ aussieht? Dann war die attische Tragödie schlecht, denn sie schaut aus „wie ein Ritus“, von dem sie nämlich herstammt: mechanisch gedachte Genealogie als Wertmaß der begrifflich Zukurzgekommenen.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Kann man ein Kinogenre damit abtun, dass sich da immer Kostümierte vor dem Greenscreen prügeln und dabei unrealistischerweise Städte kaputtgehen? Dann sind auch alle Opern Quatsch, denn da singt man genauso alltagsfremd andauernd, wie sich die Superhelden prügeln. Unterschiedliche Gattungen des Dramas kultivieren unterschiedliche Kürzel für das Austragen ihrer Kernkonflikte, na und? Bei der Musik dasselbe: Ausschlaggebend bei der im Studio aufgezeichneten und maschinell reproduzierten sowie verbreiteten Stimme soll in vielen Texten darüber sein, dass irgendein Mensch irgendwie, irgendwo, irgendwann wirklich atmet oder geatmet hat, der da singt. Wer so denkt, kann nie verstehen, warum „die jungen Leute“ gerne Hatsune Miku hören, eine Stimme, die im Rechner entsteht und zu der kein Herz schlägt (außer eben im Publikum!).

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