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MLPD stellt Lenin-Statue auf : Aufsteiger im Revier

„Festakt Lenin“: Der Revolutionsführer und Vordenker des Kommunismus steht jetzt auch im Westen Bild: dpa

Überall werden Statuen geschleift. Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands aber stellt in Gelsenkirchen Lenin aufs Podest. Sie pflegt ihren Personenkult.

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          Schlechte Zeiten, Kameraden! Sie alle fallen: Kolumbus, Rhodes, Bismarck. Für die Geschäftsführer des Weltgeistes folgt auf den Kurssturz ihrer weltweiten Unternehmungen der Denkmalsturz. Aber was sieht man da in einer abgelegenen Ecke des fast schon postindustrialisierten Deutschlands, vor dem früheren Sparkassengebäude in Gelsenkirchen-Horst?

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Der Steiger ist gekommen! Es gibt noch ein welthistorisches Individuum, für das es in der Gedenkkonjunktur steil bergauf geht: Lenin kam nicht nur bis Karl-Marx-Stadt, er steht seit Samstag mitten im Revier, in perlgrau lackiertem Gusseisen, vor der Zentrale der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD). Ein Bergmann mit weißem Helm spricht ihn als Kollegen an: „Lieber Lenin, wir Bergarbeiter begrüßen dich mit einem herzlichen Glückauf!“ Und ein zweiter Kumpel gibt dem Lob der internationalen Solidarität eine arbeitssoziologische Wendung: „Wir Bergleute sind auch ein kämpferisches Volk!“ Eine kleine Gruppe ihresgleichen könnte in wenigen Tagen in Gelsenkirchen das Unterste zuoberst kehren, mit einem Vorarbeiter wie Lenin. Häme wird in den Reden der Parteiführung über die Konkurrenz von der SPD ausgegossen, in deren schrumpfender Anhängerschaft der Arbeiteranteil jetzt geringer sei als bei der FDP. In der finalen Krise des kapitalistischen Systems gibt es den Aufsteiger nur noch als revolutionäres Rollenmodell. Gute Zeiten, Genossen!

          Die MLPD versteht sich als theoretische Avantgarde der weltweiten Arbeiterbewegung. Aber droht sie nicht den Anschluss an die revolutionäre Stimmung des gegenwärtigen Weltmoments zu verpassen, wenn sie ein vor dreißig Jahren im tschechischen Hořovice abmontiertes Standbild wieder aufrichtet, das den Eindruck erweckt, einzelne Männer machten die Geschichte? In der Pressekonferenz sagt Stefan Engel, der Chefideologe der MLPD, diese Frage sei an den Haaren herbeigezogen. Personenkult sei der MLPD fremd, und außerdem hänge in jeder Kirche ein Bild von Jesus. Kunsthistorische Fußnote: Gelsenkirchener Dialektik ist ähnlich verschnörkelt wie der lokale Barock. Die Parteivorsitzende Gabi Fechtner weist darauf hin, dass man die Statue auf einen niedrigen Sockel gestellt hat: Lenin soll den Passanten „auf Augenhöhe“ begegnen wie jeder andere Politiker. Ausdrücklich „vom Sockel holen“ möchte man „Begriffe“ wie „Massenmörder“. Auch Lenin hätte, so versichern Fechtner und Engel, seinerzeit lieber den Pflug geführt als das Schwert. Mit den „kleinen Bauern“ habe er „verschmelzen“ wollen.

          Und sieht man das der zerknitterten Kleidung und zugewandten Haltung von Vladimir Kyns Lenin nicht an? Die Rekrutierung für den Klassenkampf setzt auf das Vertrauen in die Evidenz von Physiognomie und Habitus. Engel lädt die Gegendemonstranten ein, auf die richtige Seite der Straße und Geschichte überzutreten: „Viele von euch sehen aus wie Malocher. Dann verhaltet euch gefälligst so!“

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