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Extinction Rebellion : Ganz normaler Genozid

Roger Hallam, Mitbegründer von Extinction Rebellion, bei einem Treffen im Kriterion-Kino in Amsterdam. Bild: EPA

Warum nur bedauert man die Deutschen dafür, ihre Schuld zu tragen? Der Mitbegründer der Klimabewegung Extinction Rebellion relativiert den Holocaust.

          3 Min.

          Roger Hallam war bisher nicht allen von uns ein Begriff. Der Brite, 52 Jahre alt, ist Mitbegründer der radikalen Klimabewegung Extinction Rebellion, die schon seit längerem von sich reden macht. Zurzeit ist Hallam wegen Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt – er wollte im Londoner Flughafen Heathrow eine Drohne fliegen lassen, um den Flugverkehr zu sabotieren. Jetzt hat er der Wochenzeitung „Die Zeit“ in seinem Refugium in Südwales ein Interview gegeben und darin gesagt, für ihn sei der Holocaust kein einzigartiges historisches Ereignis. „Ich weiß, dass es die Überzeugung in Deutschland gibt“, wird Hallam von der „Zeit“ zitiert. „Aber ich stimme da nicht zu, bei allem Respekt.“ Dann weiter im englischen Original: „For me it’s just another fuckery in human history.“

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Die überall im Netz kursierende deutsche Übersetzung dieser Aussage lautet, der Holocaust sei laut Hallam „nur ein weiterer Scheiß in der Geschichte der Menschheit“; der Vergleich mit dem skandalösen Wort vom „Vogelschiss“ des AfD-Chefs Alexander Gauland liegt daher nahe. Doch diese Übersetzung ist unvollständig, also in diesem Zusammenhang falsch. Das Slangwort „fuckery“ bedeutet nämlich neben „Bordell“, „Blödsinn“ und dem Geschlechtsakt auch eine „moralisch falsche oder ungerechte Tat“, und nimmt man den Begriff in der letzten Bedeutung, die Hallam erkennbar meint, ergeben die Äußerungen einen Sinn, den man zumindest befragen kann.

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