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Mensch und Natur : Wann geht uns das Leid von Tieren nahe?

Emotionale Bilder: Ein Wildtierretter trägt einen verletzten Koala aus einem brennenden Wald auf Kangaroo Island in Australien. Bild: dpa

Wenn Menschenaffen in einem Zoo verbrennen oder wilde Kängurus im Feuer stehen, leiden wir mit. Das Elend anderer Tiere lässt uns kalt. Woran liegt das? Der Verhaltensforscher Norbert Sachser erklärt es.

          4 Min.

          Herr Sachser, wie erklären Sie als Verhaltensbiologe, dass zahlreiche Menschen mit großer Anteilnahme auf den Brand des Affenhauses im Krefelder Zoo reagiert haben und dass mit Blick auf die Buschbrände in Australien viele nicht nur das Schicksal getöteter und bedrohter Menschen, sondern auch das der Tiere stark bewegt?

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ich denke, hier wirken mehrere Aspekte zusammen, von denen ich Ihnen fünf nennen möchte. Zunächst einmal stellt sich die Frage: Für welche Tiere fühlen wir uns besonders verantwortlich, für welche empfinden wir besonders starkes Mitgefühl? Tieren, die uns stammesgeschichtlich besonders nahe stehen, wecken statistisch gesehen eher unser Mitgefühl als solche, die uns phylogenetisch ferner sind. Das heißt konkret: Säugetiere sind uns näher als Vögel, Vögel näher als Reptilien, Reptilien näher als Amphibien, Amphibien näher als Fische. Die Wirbellosen sind uns schon ziemlich fern. Beim Brand im Krefelder Zoo weckten die toten Menschenaffen die größte Aufmerksamkeit. Das sind genau die Tiere, die uns am nächsten stehen. Mit Schimpansen teilen wir Menschen immerhin 99 Prozent unserer Gene, mit Gorillas mehr als 98 Prozent. Aus der Forschung wissen wir, dass Primaten viele der Emotionen, die wir haben, ebenfalls empfinden. Dazu kommt, dass sie über eine Mimik verfügen. Deshalb glauben wir uns in diese Tiere viel besser hineinversetzen zu können als etwa in eine Schildkröte.

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