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Meinungskampf an Universitäten : Nichts als Ärger von den Gegnern

Ist die freie Diskussion an Hochschulen in Gefahr? Angehende Studenten auf dem Campus der Georgetown University in Washington Bild: AP

Britische und amerikanische Universitäten begrenzen die freie Meinungsäußerung zugunsten des Wohlbefindens von Minderheiten. Auch Deutschland wird von solchen Konflikten nicht verschont bleiben.

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          Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, hat soeben vor Einschränkungen der Meinungsfreiheit an Universitäten gewarnt. Auch in Deutschland verbreite sich, so der Kölner Völkerrechtler, was aus dem angloamerikanischen Raum lange bekannt ist: niemandem Ansichten zuzumuten, die von einigen als unangemessen empfunden würden. Demgegenüber forderte Kempen, dass gerade dort das streitbare Argument und nicht der Boykott das gebotene Mittel der Auseinandersetzung zu bleiben habe.

          Worauf bezieht sich dieser Appell? Ist die freie Diskussion an Hochschulen in Gefahr? Amerikanische und britische Universitäten haben zuletzt tatsächlich nicht selten studentischem Druck nachgegeben, die freie Meinungsäußerung zugunsten des Wohlbefindens von Minderheiten zu begrenzen. Die Beispiele sind bizarr. In Oxford wurde eine Diskussion über Abtreibung abgesagt, weil auf das Podium zwei Männer eingeladen worden waren. In Cardiff versuchten Studenten, einen Vortrag von Germaine Greer zu verhindern, weil die einst geschrieben hatte, eine Operation mache aus einem Mann noch keine Frau. Der Vortrag wurde unter Polizeischutz nachgeholt. Greers feministischer Kollegin Linda Bellos ging es in Oxford nicht besser, wo sie wegen einer ähnlichen Bemerkung über Transsexuelle ausgeladen wurde.

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