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Das Versagen der Forschung : Wann bringt ihr endlich die Medizin?

  • -Aktualisiert am

Auch Ärzte stoßen an ihre Grenzen: Medizinisches Personal der „Ärzte ohne Grenzen“ transportieren im September 2014 ein Ebola-Opfer in Monrovia. Bild: AFP

Die Ebola-Krise hat es vor Augen geführt: Die Welt muss sich auf Epidemien besser vorbereiten. Doch Haarwuchsmittel sind lukrativer als Medikamente für sogenannte Armutskrankheiten. Hat die medizinische Forschung versagt? Ein Gastbeitrag

          Es ist gerade ein halbes Jahr her, dass sich in Westafrika eine Katastrophe abgespielt hat, die in ihren Ausmaßen niemand kommen sah: Vor dem vollen Ebola-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in Liberias Hauptstadt Monrovia bettelten Dutzende todkranke Menschen um Einlass - aber es war kein Platz frei. Unsere Mitarbeiter mussten viele wegschicken. Manche blieben und starben vor dem Tor, andere kehrten unbehandelt nach Hause zurück, wo sie Verwandte und Freunde infizierten. Die Politik muss dringend verhindern, dass die Welt auch für die nächste Epidemie so katastrophal schlecht vorbereitet ist wie für die Ebola-Epidemie in Westafrika.

          Bei der internationalen Reaktion auf globale Gesundheitskrisen wie die Ebola-Epidemie muss eine ganze Menge verbessert werden, darüber wird auch auf dem G-7-Gipfel in Elmau diskutiert. Aber ein grundsätzliches Problem droht dabei vergessen zu werden: verfehlte Forschung. Die Welt hatte weder einen Impfstoff noch ein Medikament gegen Ebola zur Verfügung, weil die Erforschung der Krankheit jahrzehntelang vernachlässigt wurde. Außer ein paar versprengten Tropenmedizinern und den Biowaffenexperten einzelner Armeen interessierte sich niemand für das tödliche Virus.

          Die nächste Epidemie wird kommen

          Warum ist das so? Die Gründe für die Ignoranz gegenüber marginalisierten Patienten und vernachlässigten Krankheiten liegen im Forschungssystem: Medizinische Forschungsprioritäten werden oft von profitorientierten Pharmafirmen bestimmt. Für sie lohnt sich die Entwicklung eines Medikaments nicht, das womöglich nur alle paar Jahre in entlegenen Dörfern Afrikas von ein paar Dutzend Patienten gebraucht wird, die sich keine teure Medizin leisten können. Auch wenn es keine Leben rettet: Ein neues Mittel gegen Haarausfall ist lukrativer. Es ist naiv, bei der Erforschung vernachlässigter Krankheiten auf den Markt und gewinnorientierte Unternehmen zu setzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Marktversagen erkannt. Aber wir vermissen bislang die nötigen Konsequenzen.

          Vielen ist noch nicht geholfen: Für HIV-infizierte Kinder wie Lucy aus Kenia gibt es kaum Medikamente.

          Wir wissen nicht, wann und wo „Ebola 2.0“, also die nächste Gesundheitskrise von internationalem Ausmaß, stattfinden wird. Aber wir wissen aus unseren medizinischen Projekten in mehr als 60 Ländern weltweit, dass täglich Menschen sterben, weil Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika fehlen. Im Südsudan behandeln unsere Teams unweit der Bürgerkriegsfronten seit Monaten Tausende Patienten eines gewaltigen Ausbruchs der Tropenkrankheit Kala Azar, auch „Schwarzes Fieber“ genannt. Gegen diesen Parasiten gibt es zwar Medikamente, aber sie sind toxisch und lösen Nebenwirkungen aus, die zum Tod führen können. Auch die Schlafkrankheit in Zentralafrika, die Chagas-Krankheit in Südamerika oder das Ebola ähnliche Denguefieber wurden jahrzehntelang von der Forschung vernachlässigt - und das gilt nicht nur für exotische Tropenkrankheiten. So gibt es kaum spezielle HIV/Aids-Medikamente für Kinder. In unseren Projekten bräuchten wir sie dringend - aber in den reichen Ländern gibt es kaum Kinder mit HIV, weil die Übertragung des Virus während der Schwangerschaft hier erfolgreich verhindert wird.

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