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Max-Stern-Symposium : Blamage für Düsseldorf?

Das Gemälde "Ships in Distress on a Stormy Sea" des Künstlers Jan Porcellis (1584-1632) aus Max Sterns Sammlung in der kanadischen Botschaft in Berlin im Jahr 2016 Bild: dpa

Die Absage einer Ausstellung zum 1937 aus Deutschland geflohenen jüdischen Galeristen Max Stern hatte 2017 für Empörung gesorgt. Jetzt leidet ein Symposium unter Absagen kanadischer Experten.

          Es geht wieder um den jüdischen Galeristen Max Stern (1904 bis 1987): Im November 2017 hatte die Stadt Düsseldorf eine vom dortigen Stadtmuseum lange geplante Ausstellung über den 1937 aus Deutschland vertriebenen und über Paris und London nach Kanada geflohenen Kunsthändler kurzfristig abgesagt, wofür sie als Begründung „aktuell laufende Auskunfts- und Restitutionsgesuche in deutschen Museen“ anführte, „die im Zusammenhang mit der Galerie Max Stern stehen“.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Die öffentliche Empörung war groß damals und schwappte über den Atlantik, auch der Vorwurf des Antisemitismus wurde erhoben. Das schien zunächst sogar naheliegend, zumal die Stadt es mit der floskelhaften Formulierung selbst insinuiert hatte. In der Sache aber ging es fehl, denn der eigentliche Grund für die Absage, so stellte sich bald heraus, war ein anderer – und hausgemacht: Der Düsseldorfer Kulturdezernent Hans-Georg Lohe hielt die Konzeption der Ausstellung für „nicht ausgewogen“, da die Direktorin des Stadtmuseums weder die eigenen Mitarbeiter noch die Provenienzforscherin eingebunden, sondern die gesamte wissenschaftliche Arbeit an die Experten des „Max Stern Art Restitution Project“ in Montreal, das den Nachlass betreut, abgegeben und ausgelagert hatte. Die kanadische Seite reagierte konsterniert auf die Absage, zumal sie aus der Presse davon erfahren hatte. Der Schaden war gewaltig, auch Kooperationspartner in Montreal und Haifa, wo die Schau anschließend Station machen sollte, waren verprellt.

          Beschädigt, bevor es begonnen hat

          Statt der Ausstellung, so die Stadt damals, sollte ein Internationales Symposium abgehalten werden, das für Oktober 2018 angekündigt wurde. Doch sechs Wochen später nahm der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) die umstrittene und, wie inzwischen durchgesickert war, von ihm eigenmächtig getroffene Entscheidung wieder zurück. Die Kritik der Jüdischen Gemeinde, die der World Jewish Congress aufgegriffen hatte, war zu groß geworden. Auf die Absage folgte die Absage der Absage: Die Schau sollte doch durchgeführt werden, „zu einem späteren Zeitpunkt“ und „in ergänzter und erweiterter Form“. Im April berief die Stadt Dieter Vorsteher, den langjährigen stellvertretenden Direktor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, zum Gastkurator, der die Ausstellung für 2020 vorbereitet.

          Seit dem Eklat ist ein Jahr vergangen. Auch der Termin für das Symposium im vergangenen Herbst konnte nicht gehalten werden, doch vor einem Monat wurde die Einladung verschickt: Unter dem Titel „Die Galerie Stern im Kontext des Rheinischen Kunsthandels während des Nationalsozialismus“ findet es, auf einen Tag zusammengepresst, am 13. Februar im Haus der Universität statt. Das Programm besteht aus einer dichten Folge von Keynotes, Kurzvorträgen, Projektberichten, Fallstudien von mehr als einem Dutzend Referenten und mündet am Abend in eine Podiumsdiskussion. Zur Begrüßung werden die Kulturministerin und der Oberbürgermeister sprechen, Provenienzforscher aus New York, London und Berlin nehmen teil. Die Stern-Spezialisten aus Kanada aber sind nicht dabei: „Persönlich und fachlich brüskiert“, so Stephan Klingen vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, boykottieren sie die Tagung.

          Was ist da passiert? Die Auskünfte dazu sind, sofern überhaupt welche gegeben werden, widersprüchlich. Offensichtlich hat die Stadt Düsseldorf zwei Kunsthistoriker des „Max Stern Art Restitution Project“ eingeladen, ohne dass sie vorher versucht hätte, den Dialog wieder aufzunehmen und die Vorwürfe und Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen, so dass sie ihre Teilnahme abgesagt haben. „Wenn es die Stadt Düsseldorf geschafft hätte, die fachlichen und persönlichen Brüskierungen der kanadischen Kunsthistoriker zu klären und die Kollegen für den Beirat zu gewinnen, dann wären auch wir mit im Boot“, sagt Stephan Klingen im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen. Das Münchner Institut werde auf eine aktive Teilnahme verzichten, als Zuhörer aber würden zwei Kollegen anwesend sein. Das Symposium ist, bevor es begonnen hat, schon beschädigt.

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