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Mausoleum des Augustus in Rom : Der kolossale Zylinderdino erhebt sich

Zeichen einer grünen Gesellschaftswende? Blick auf das Mausoleum des Augustus Bild: © Johanna Huber/Schapowalow

Ein weltgeschichtliches Ereignis: Das Mausoleum des Augustus ist das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg wieder öffentlich zugänglich. Ein Besuch am Vorabend der römischen Bürgermeisterwahl.

          7 Min.

          Der wundersame Filmregisseur Hans-Jürgen Syberberg hat einmal gesagt, dass sich das Schicksal einer ganzen Epoche manchmal in einem einzelnen Gebäude widerspiegele. Was aber, wenn dieses Gebäude nicht nur eine einzige Epoche repräsentiert, sondern gleich ganze Zeitenwenden dokumentiert? Wenn seine Mauern so viel Geschichte gespeichert haben, dass sie im Grunde bersten müssten, einstürzen unter der schweren Last der Erinnerung? In Rom gibt es viele solcher schwer­gewichtigen Erinnerungsorte. Die Stadt lebt von ihrer Vergangenheit. Hier geben sich die Epochen die Klinke in die Hand und lassen die Besucher jedes Mal aufs Neue staunen. Ein Wind vom Anfang, „vom Paradiese her“ weht durch die Straßen und lässt jeden lächelnden Straßentänzer zu einem kleinen Engel der Geschichte werden.

          Simon Strauß
          Redakteur im Feuilleton.

          Im weißen Hemd neben einer grauen Musikbox tanzt er zu argentinischem Tango vor einem der spektakulärsten lieu de mémoire Roms. Ein Ort, der lange vergessen war und erst jetzt langsam wieder ins Bewusstsein der Stadt rückt. Weitgehend unbemerkt von der größeren Öffentlichkeit hat nach dreizehn Jahren Restaurationsarbeit seit kurzer Zeit das Augustus-Mausoleum wieder geöffnet. Jenes gigantische Grabmal, das sich der erste Kaiser Roms nach seinem siegreichen Feldzug in Ägypten und dem entscheidenden Sieg bei Actium 31 vor Christus am nördlichen Ende des Campus Martius errichten ließ, um seinen dynastischen Anspruch zu untermauern. Und auch um im Gegensatz zu seinem Widersacher Antonius, der sich zur Empörung der Römer neben Kleopatrain Alexandria bestatten lassen wollte, unmissverständlich deutlich zu machen, dass Rom die Hauptstadt des Reiches bleiben und er nirgendwo anders als hier seine letzte Ruhe finden werde.

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