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Mauerkonzert in Tijuana : Musik stört Vögel

  • -Aktualisiert am

Der Grenzzaun zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten in Tijuana Bild: dpa

Auf der einen Seite des Grenzzauns zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko stieß die Idee der Dresdner Sinfoniker, ein Mauerkonzert zu geben, auf taube Ohren. Auf der anderen wächst sie sich zu einem Festival aus.

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          Dass Musik an Mauern zu Komplikationen führen kann, wissen einstige DDR-Bürger noch vom Ende der 1980er Jahre, als die SED sie zum Teil schlagkräftig daran hindern wollte, Rock- und Popkonzerten zu lauschen, die in West-Berlin gern in Mauernähe und damit auch in Ost-Hörweite organisiert wurden. Ein wenig fühlt sich jetzt Markus Rindt daran erinnert, einst DDR-Flüchtling und heute Intendant der Dresdner Sinfoniker, die an diesem Samstag ein Konzert auf beiden Seiten des Grenzzauns zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko geplant hatten, um gegen die von Präsident Donald Trump angekündigte Mauer zwischen beiden Ländern zu protestieren.

          Das Budget in Höhe von fünfzehntausend Euro hatte das Orchester im Nu im Internet über eine Crowdfunding-Plattform eingesammelt, dann jedoch stellten Trumps Behörden den Musikern den Ton ab: Zuerst untersagten die Grenzschutzbehörde und das Heimatschutzministerium die Veranstaltung im sogenannten Freundschaftspark San Diegos wegen Sicherheitsbedenken. Als die Musiker daraufhin an den öffentlichen Strand ausweichen wollten, stellte sich Kaliforniens Parkbehörde quer mit der Begründung, das gefährde den Vogelschutz.

          „Unfassbar“, findet das Markus Rindt, der sich allerdings aufgrund der Aufmerksamkeit, welche die Verbote mit sich brachten, nun vor Unterstützern kaum retten kann: Musiker, Rock- und Punkbands, Jugendorchester aus ganz Amerika und sogar der Opernchor aus Tijuana haben zugesagt. „Wir sind überwältigt von der Anziehungskraft der Aktion“, sagt Rindt. Statt anderthalb Stunden Konzert werde nun den ganzen Tag lang gespielt – allerdings nur im unmittelbar an der Grenze liegenden Parque del Mar im mexikanischen Tijuana. Die mexikanische Seite unterstütze vorbehaltlos das Projekt, mit dem die Sinfoniker laut eigener Aussage nicht nur gegen Trumps Mauer, sondern gegen weltweit wachsende Abschottung, Fanatismus und Nationalismus protestieren wollen – ganz im Sinne des Konzertmottos: „Tear down this wall!“

          Die Mauer niederzureißen hatte vor ziemlich genau dreißig Jahren Ronald Reagan in West-Berlin von Michail Gorbatschow gefordert. In Ost-Berlin wiederum versuchten in den letzten beiden Jahren der DDR stets Zehntausende, gute Hörplätze zu bekommen, wenn vor dem Reichstag David Bowie, Pink Floyd oder Eurythmics aufspielten. In San Diego soll am Samstag nicht einmal das mehr möglich sein. Die nordamerikanischen Behörden haben angekündigt, während der Veranstaltung den gesamten Strand sowie das Grenzareal zu Mexiko weiträumig abzuriegeln.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

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