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Massaker von Rechnitz : „Beispiel der Banalität des Bösen“

Kannte die Thyssen-Tochter Gräfin Batthyány persönlich: Lord George Weidenfeld Bild: AP

Unser Artikel über das Rechnitzer Massaker ist auf breiten Widerhall gestoßen. Ein Filmemacher, der darüber recherchiert hat, ein Historiker und Lord Weidenfeld, der die Gräfin Batthyány persönlich gekannt hatte, sind daraufhin zu Wort gekommen.

          Über das Massaker an rund 180 Juden im burgenländischen Rechnitz hat der britische Publizist David Litchfield in der vergangenen Woche einen Artikel für die F.A.Z. verfasst (siehe auch: Rechnitz-Massaker: Die Gastgeberin der Hölle), der breiten Widerhall gefunden hat. Nicht das Faktum des Mordes war neu, denn dieser Massenmord ist durch Zeugenaussagen gut dokumentiert, auch wenn der Historiker Wolfgang Benz, der im Deutschlandfunk als einer der ersten Kritiker Litchfields auftrat, behauptete, noch nie etwas davon gehört zu haben.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Tatsächlich neu war für die meisten Experten dagegen Litchfields Vorwurf gegen Margit Gräfin Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza, auf ihrem Schloss in Rechnitz in der Nacht vom 24. auf den 25. März jenes Fest ausgerichtet zu haben, aus dessen Gästen sich die Mörder rekrutierten, die dann die Feier verließen, um „zum Spaß“ Juden zu erschießen. Später soll die Gräfin auch Fluchthilfe für mindestens einen der Beteiligten geleistet haben. Darauf hatten deutsche Behörden das österreichische Justizministerium schon 1963 hingewiesen.

          Bis heute eine Mauer des Schweigens

          Litchfield wurde bei der Arbeit an einer Heini-Thyssen-Biographie auf den Mord von Rechnitz aufmerksam, recherchierte dessen Umstände und reiste auch an den Ort des Geschehens. Dort sprach er mit einem Mann, der 1945 acht Jahre alt gewesen war und beim Schloss gewohnt hatte. Er berichtete Litchfield von mehreren früheren Erschießungen von Juden, an denen die Gräfin als freudige Zuschauerin teilgenommen habe. Die Familie Thyssen, das weiß Litchfield aus eigener Erfahrung, hat zu allen Vorwürfen an Margit Gräfin Batthyány bislang geschwiegen.

          Der österreichische Filmemacher Eduard Erne unterstützt diese Einschätzung. In seiner Dokumentation „Totschweigen“ hatte er 1994 über die bislang vergebliche Suche nach dem Massengrab für die 180 Opfer von Rechnitz berichtet. Im Deutschlandradio Kultur meinte Erne nun, Litchfields Vorwürfe seien eher noch zurückhaltend formuliert. Es habe zwischen der Thyssen-Erbin und den nationalsozialistischen Behörden geradezu eine „Kollaboration“ gegeben. Für die Unterbringung der zur Zwangsarbeit eingesetzten Juden seien auf dem Schloss Stallungen zur Verfügung gestellt worden. Die Fluchthilfe der Gräfin für zwei Hauptverantwortliche des Mordens sei aktenkundig und durch Zeugen belegt. Der Familie Thyssen sei es später gelungen, „sich da fein rauszuhalten“. Auch in Rechnitz selbst stoße man bis heute auf eine „Schweigemauer“.

          Konnte Litchfield alle Thyssen-Akten einsehen?

          Der Thyssen-Archivar Manfred Rasch bestritt am vergangenen Mittwoch im Gespräch mit der F.A.Z., Litchfield bei dessen Recherchen Auskünfte oder Akten vorenthalten zu haben. Das widerholte er später gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“. Die von Rasch der F.A.Z. angekündigten Belege für diese Version sind noch nicht angekommen. Litchfield verweist im Gegenzug auf die Aufzeichnungen seiner Gespräche mit Rasch, in denen das Ausmaß von dessen Verweigerung deutlich werde. Einige Akten seien vor seinem Archivbesuch entfernt worden.

          Gegenüber der „Welt“ schließlich äußerte sich der Verleger Lord Weidenfeld über die Persönlichkeit der ihm bekannten Gräfin Batthyány: „Eine eher schweigsame Dame, mit der man sich belanglos unterhielt. Ein Beispiel der Banalität des Bösen.“

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