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„Kannst du twerken?“ : Die schlechteste Entschuldigung des Jahres

Die erste Preisträgerin des Ballon d’Or: Ada Hegerberg Bild: AP

Nach seinem dummen Spruch bei der Verleihung des Ballon d’Or irritiert Martin Solveig mit einer ebenso dummen Ausrede. Dabei hatte er Glück, an Ada Hegerberg zu geraten.

          Wirklich toll, wie emanzipiert unsere Gesellschaft schon ist. Gestern zum Beispiel, da wurde der Preis Ballon d’Or erstmals nicht nur an einen Fußballer (und einen ebenfalls männlichen Jungstar), sondern auch an eine Fußballerin vergeben! Die Norwegerin Ada Hegerberg, Stürmerin bei Olympique Lyon, wurde neben Luka Modric und Kylian Mbappé ausgezeichnet. Ein großer Moment für den Frauenfußball. Und ein Tiefpunkt für den französischen DJ Martin Solveig („Hello“), der zum Moderator auserkoren wurde und dachte, man müsse nun auf der Bühne noch irgendwas Aufregendes bieten. Mit Mbappé hatte er zuvor auch ein bisschen zu einem Drake-Song getanzt.

          „Kannst du twerken?“, fragte er also Ada Hegerberg. Twerken, das nur zu Erinnerung, ist ein eigentlich schon wieder aus der Mode geratener Tanzstil, bei dem die Tänzer sich nach vorne beugen und dann bewegen, als wollten sie mit ihrem Hintern ein Fenster gründlich putzen. Ein eindeutig sexualisierter Tanz und damit etwas ganz anderes als die Tanzeinlage zuvor mit Mbappé. Hegerberg antwortete schlicht „Nein“ und drehte sich weg. Man einigte sich auf ein Tänzchen zu einem Sinatra-Song. Da war aber alles schon passiert: Die Kameras hatten das entgeisterte Gesicht von Mbappé und das Raunen im Saal eingefangen, Martin Solveig war es gelungen, den Moment zu überschatten, und Ada Hegerberg hatte sich mit ihrer ruhigen und klaren Reaktion den einen oder anderen bonfortionösen Präsentkorb von der Zeitschrift „France Football“ verdient, die den Preis ausrichtet.

          Denn es gibt mindestens zehn Reaktionen, mit denen der Abend desaströs hätte enden können – und keine davon hätte man der Preisträgerin übelnehmen können. Eine andere Frau hätte vielleicht betreten reagiert und herumgedruckst, eine einfach die Bühne verlassen und eine ihm schlicht geantwortet, ob er vielleicht im Gegenzug die Klappe halten könne. Eine wäre womöglich perplex der Aufforderung nachgekommen. Ada Hegerberg zeigte genau den kühlen Kopf, den sie als Fußballerin braucht. Sie habe das nicht als sexuelle Belästigung empfunden, sagte sie später. War es auch nicht unbedingt, aber sexistisch war es eindeutig. Das erkennt man daran, dass diese Frage Modric und Mbappé niemals gestellt worden wäre.

          Martin Solveig wiederum bekleckerte sich auch später nicht mit Ruhm: „Aufrichtige Entschuldigung an die, die ich womöglich verärgert habe“, beginnt sein Tweet dazu. Das ist keine „aufrichtige Entschuldigung“, das ist eine verbrämte Version von „Meine Güte, sind die Leute empfindlich.“ Was wurde aus dem guten alten „Ich habe einen Fehler gemacht, und es tut mir leid“? Aber es geht noch weiter: Er sei mit der englischen Sprache und Kultur nicht so vertraut, erklärt er in einem Video-Statement. Das mag sein. Aber er stellte die Frage auf Französisch. An eine Norwegerin. In Paris.

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