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„Marsch auf Berlin“ : Wir sind beleidigt!

  • Aktualisiert am

Will demonstrieren: Rauf Denktasch Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Mit einem Massenaufmarsch wollen nationalistische türkische Vereine und Persönlichkeiten im März an den Tod des Großwesirs Talat Pascha vor fünfundachtzig Jahren in Berlin erinnern.

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          Mit einem Massenaufmarsch wollen nationalistische türkische Vereine und Persönlichkeiten im März an den Tod des Großwesirs Talat Pascha vor fünfundachtzig Jahren in Berlin erinnern.

          Mit dem Schlachtruf „Nimm Deine Fahne, komm nach Berlin“ rufen sie im Internet Gleichgesinnte in aller Welt auf. Am Samstag, dem 18. März, soll ihr „Großprojekt 2006“ endlich Schluß machen mit den „Genozid-Lügen“. Die Talat-Pascha-Bewegung möchte „die Periode der Demut“ beenden und dem Westen endlich die „wahre Stärke der Türkei“ vorführen. Die Unterzeichner des Aufrufs sind eine illustre Gruppe von Verehrern des Großwesirs und Innenministers, der 1915 zu den Organisatoren und Drahtziehern des Völkermordes an der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich gehörte.

          Verbrannte Bücher

          Rauf Denktasch, angeschlagener Führer der türkischen Zyprioten, gehört dazu, ein zum Glück nur noch ehrenamtlich wirkender Generalstaatsanwalt, Verschwörungstheoretiker, nationalistische Kulturvereine, ehemalige Maoisten von der „Türkischen Arbeiterpartei“ sowie zahlreiche Professoren von türkischen Universitäten. Viele Unterzeichner stammen aus Gegenden in der Türkei, in denen im vergangenen Jahr die Bücher und Fotografien von Orhan Pamuk öffentlich verbrannt wurden. Der Schriftsteller hatte in einem Interview über die Deportationen und Massenmorde gesprochen, der Prozeß gegen ihn wurde erst kürzlich in Istanbul eingestellt.

          Nun also soll Berlin zu dem Ort werden, an dem jenes „Türkentum“, dessen Herabwürdigung man Pamuk in der Anklage vorgeworfen hatte, wieder aufgewertet wird. Die Organisatoren stellen schon im voraus Forderungen an den deutschen Bundestag, der verfügen soll, daß in keinem deutschen Schulbuch mehr über den Genozid an den Armeniern, den sie „Massaker-Lügen“ nennen, aufgeklärt wird. Auch soll das Parlament seine 2005 einstimmig angenommene Erklärung zu den Morden, die Türken rassistisch erniedrige, zurücknehmen.

          Es ist zwar nicht zu befürchten, daß die grimmigen Männer im März, wie versprochen, fünf Millionen Türken zum „Marsch auf Berlin“, dann auf Brüssel und Paris mobilisieren. Doch hat die Türkische Gemeinde Berlin für den 18. März eine Demonstration beim Berliner Polizeipräsidenten beantragt, die durch Charlottenburg, also durch das Zentrum bis zur Fasanenstraße, führen soll. Mittendrin liegt der Steinplatz: Dort wurde 1921 Talat, den Adolf Hitler bewunderte, von einem Armenier erschossen.

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