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Zu Mark Zuckerbergs Erklärung : Facebook ist ein Überwachungsdienst

Um Worte ist er nicht verlegen: Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Bild: AP

Hat Mark Zuckerberg mit seinen Worten zum Datenzugriff von Cambridge Analytica zur Aufklärung der Sache beigetragen? Hat er nicht. Er verschleiert, worum es bei Facebook wirklich geht.

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          Mark Zuckerberg bleibt sich treu. Noch in der größten Krise, beim dicksten Fauxpas, greift er in den Honigtopf und reibt sein Publikum ein. „Wir haben eine Verantwortung, Eure Daten zu schützen, und wenn wir das nicht können, dann verdienen wir nicht, in Eurem Dienst zu stehen“, schreibt er mit dem ihm eigenen brutalstmöglichen Pathos. Um dann haarklein aufzuzählen, was Facebook in den vergangenen Jahren unternommen habe, um die Daten seiner Nutzer zu schützen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Folgt man seinen Ausführungen, müsste seit 2014/2015 alles in Ordnung und es nicht mehr möglich sein, dass jemand durch eine App, durch ein Quiz, an die Daten von fünfzig Millionen Facebook-Nutzern und deren Freunden kommt und diese dann weitergibt, wie im Falle des Entwicklers Aleksandr Kogan und Cambridge Analytica geschehen. Doch soll man das wirklich glauben und denken, Zuckerberg und Facebook hätten verstanden? Sie können es gar nicht verstehen und sich auch nicht entschuldigen, weil das Schindluder, das mit all den Angaben von Facebook-Nutzern getrieben wird, in der DNA des Netzwerkkonzerns angelegt ist.

          „Wir bringen die Welt enger zusammen“, lautet der Wahlspruch der Firma, doch er bedeutet: Facebook is watching you und lässt sich dabei, wie die anderen großen Online-Konglomerate auch, selbst nicht in die Karten schauen. Facebook, sagt der Whistleblower Edward Snowden, nenne sich „social media“, zähle jedoch in Wahrheit zu den Überwachungsunternehmen („surveillance companies“), es verdiene sein Geld damit, detaillierte Aufzeichnungen privater Daten zu sammeln und zu verkaufen. Daran würde nur eine Digitalgesetzgebung etwas ändern, die in dieser Zeitung schon einmal der Geschäftsführer der VG Media, Markus Runde, en detail in der F.A.Z. angeregt hat, und die das Ziel verfolgte, dass Konzerne wie Facebook für Transparenz sorgen und denselben Regeln im Umgang mit ihren Nutzern folgen wie Unternehmen in allen anderen Branchen auch. Das fängt damit an, dass man die Einwilligung seiner Kunden braucht, wenn man an ihre Daten will, und erklärt, was man damit vorhat.

          In den Vereinigten Staaten müsste die Medienaufsicht FCC für so etwas sorgen. Sie hätte sich schon in der Zeit der Obama-Regierung darum kümmern müssen, doch fiel dieser das nicht ein, stehen die Silicon-Valley-Konzerne und deren Chefs doch mehrheitlich stramm zu den Demokraten. Dem Präsidenten Trump müsste aus ideologischen Gründen eigentlich daran gelegen sein, die Mächtigen im Valley einzuhegen. Doch sind ihm deren Digitalwaffen im Wahlkampf viel zu nützlich gewesen, als dass er Interesse daran hätte, sie zu entschärfen.

          Facebook wird auch künftig tun und lassen können, was es will. Und Mark Zuckerberg, der gerade mal einräumt, dass es einen „Vertrauensbruch zwischen Facebook und den Menschen, die ihre Daten mit uns teilen“, gegeben habe, wird weiter schöne Reden halten. Er denkt wohl, das ließe sich schon wieder reparieren.

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