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Brief an Max Zuckerberg : Wofür es sich auch noch zu kämpfen lohnt

Priscilla Chan und Mark Zuckerberg posteten dieses Bild mit ihrer neugeborenen Tochter Max bei Facebook. Bild: dpa

Zur Geburt ihrer Tochter Max haben die Zuckerbergs ihr einen langen Brief über die Herausforderungen unserer Gesellschaft geschrieben. Doch einen wichtigen Punkt haben sie ausgelassen.

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          Dear Max,

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          du bist erst einen Tag alt, aber alle reden über dich. Denn deine Eltern, Priscilla Chan und der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, haben dir einen langen Brief geschrieben. Darüber, dass sie fast ihr ganzes riesiges Vermögen im Laufe der nächsten Jahrzehnte für wohltätige Zwecke einsetzen wollen. Sie wollen damit die Lebensqualität der Menschen verbessern – und zwar die aller Menschen, auch jener, die bisher benachteiligt wurden. Das ist eine große, gute Tat. Aber es gibt da noch etwas, das du wissen solltest.

          Zu den großen Herausforderungen deiner Generation wird nicht nur gehören, wie man Krankheiten besiegt und Bildung für alle zugänglich macht. Ihr werdet viel über etwas diskutieren, das man Datenschutz nennt. Wenn du alt genug bist, um den sehr komplizierten Brief deiner Eltern überhaupt zu verstehen, werden von dir schon haufenweise Fotos im Internet sein. Von deinem ersten Cello-Vorspiel und dir als Engel beim Krippenspiel. Vielleicht sind die dir dann furchtbar peinlich, aber selbst wenn du die Originale löschst, sind sie längst abfotografiert auf anderen Seiten. Und es kommt noch besser: Was du deinen Freunden im privaten Facebook-Chat schreibst, speichert dein Vater und kann es jederzeit lesen. Ja, auch die schlüpfrigen Sachen. Also sei vorsichtig.

          Dein Vater speichert übrigens auch unsere Daten. Deshalb machen viele Menschen sich Gedanken, wie sie ihre Privatsphäre schützen können. Das ist oft umständlich und schließt sie von ihren Freunden aus, deshalb landen am Ende doch mehr Daten bei Facebook, als es den Leuten recht ist. Du wirst selbst erleben, wie schnell so etwas geht. Und wenn die Daten bei Facebook sind, bekommt sie auch der amerikanische Geheimdienst. Der interessiert sich weniger dafür, mit welchen Jungs du schreibst, und mehr dafür, ob du vielleicht eine Demo organisierst.

          Du wirst damit aufwachsen, als sei es ganz normal. Glaub das nicht. Glaub niemals, es wäre normal, dass Details aus deinem Privatleben Konzernen und dem Geheimdienst zugänglich sind. Wenn das Geld deiner Eltern die Welt bis dahin tatsächlich so weit verbessert hat, wie sie es sich vorstellen – hier ist etwas, gegen das zu kämpfen sich immer noch lohnt. Viel Glück.

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