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Marina Abramović in Belgrad : Der Besuch der Mythomanin

Marina Abramovic: Die Performance „Balkan Baroque“ bei der Biennale in Venedig am 12. Juni 1997 Bild: Frank Röth/Marina Abramovic/VG Bild-Kunst

Nach fünfundvierzig Jahren kehrt die Künstlerin Marina Abramović im September in ihre Heimatstadt Belgrad zurück. Sie geht damit ein hohes Risiko ein.

          6 Min.

          Wer in diesen Tagen an einem Belgrader Kiosk vorbeikommt, kann sie nicht übersehen. Das ist sie, kein Zweifel: Ganz in Schwarz gekleidet, blickt sie in die Kamera und durch die Kamera hindurch auf die Passanten, die nun vielleicht, angezogen von diesem Blick, vor dem Kiosk stehen bleiben, um die aktuelle Ausgabe von „Nedeljnik“ zu kaufen, Serbiens auflagenstärkster Wochenzeitschrift.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die berühmteste, ja angeblich sogar weltberühmteste Performance-Künstlerin dieser Zeit ist nicht nur auf dem Titelbild zu sehen, sie hat auch den Text dazu beigesteuert: „Marina Abramović. Mein Brief an Serbien“ lautet die aktuelle Titelgeschichte. Sie ist Teil einer sorgfältigen Inszenierung vor dem serbischen Kunstereignis des Jahres: Vom 21. September bis Mitte Januar 2020 wird im Belgrader Museum für Moderne Kunst die Ausstellung „Čistać“ gezeigt, die unter ihrem englischen Titel „The Cleaner“ schon seit zwei Jahren in verschiedenen europäischen Städten zu sehen war. Zuerst 2017 in Stockholm, danach unter anderem in Oslo, in der Bundeskunsthalle in Bonn und in Florenz. „Die Ausstellung in Belgrad ist die letzte Station der Tour und von einzigartiger Bedeutung, da sie die Rückkehr der Künstlerin an ihren Geburtsort bedeutet. An jenen Ort, an dem ihre Karriere begann und an dem sie 1975 zuletzt eine Einzelausstellung im Salon des Museums hatte“, hat die in Österreich beheimatete Erste Stiftung, die das Wagnis mitfinanziert, verlauten lassen.

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