Die sind nur aus Holz zur Deko: Nachbildungen sogenannter Magic Mushrooms. Bild: Desiré van den Berg
Psychoaktive Pilze, sogenannte Magic Mushrooms, sind als Rauschmittel beliebt. Jetzt kommen sie verstärkt in Medizin und Therapie ganz legal zum Einsatz. Unser Autor hat sie ausprobiert.
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Seit die Wirkung des leicht nussigen Tees eingesetzt hat, muss ich weinen. Eine halbe Stunde schon. Wie aus dem Nichts waren plötzlich traurige Gedanken an eine frühere Geliebte da. Im alltäglichen Wachbewusstsein wäre ich sicher, diese Person längst vergessen zu haben; aber ich bin nicht im normalen Bewusstsein. Eine griechische Göttin hat meine Tränen bemerkt, ist zu meiner Liege gekommen und hält meine Hand. Sie trägt ein weißes Gewand und große Ohrringe. Ihre Augenpartie ist schlecht zu erkennen, weil die Kringel ihrer Locken sich darin zu einem seltsamen Muster fortsetzen. Außerdem verwandelt ihr Gesicht sich immer wieder in die Physiognomien ganz anderer Menschen, die in meinem Leben etwas bedeutet haben. Angst fühle ich trotzdem keine.
Hier im Olymp wirkt alles leichter als am Boden, nur die ganz großen Themen zählen noch. Wer bin ich? Was ist mir wichtig? So geht das etwa vier Stunden – in irdischer Zeitrechnung. Für mich und 13 andere, die hier im Saal liegen, ist die Zeit aufgehoben. War es ein Abend oder eine Ewigkeit? Egal! Nur das neue Lebensgefühl zählt, das alle mitnehmen werden.
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