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Zellteilung bei einem Embryo Bild: Picture-Alliance

Bioethikreform in Frankreich : Kinder, wo kommt ihr her?

Eizellspende, Samenspende, das Einfrieren von Keimzellen zur späteren Verwendung – all das ist in Frankreich gesetzlich auf dem Weg. Das ist ein Umbruch und ein Aufbruch. Doch es gibt Widerstand.

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          Europa taumelt, Europa emanzipiert sich – egal, wie man es betrachtet, es ist mächtig Dampf im Kessel der europäischen Biopolitik. Und egal, wo man hinsieht, überall herrscht Aufbruchstimmung. Dass das in der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen wurde, dürfte daran liegen, dass der Gegenstand, um den es geht, vor allem Minderheiten, man könnte sagen: still leidende Schicksalsgemeinschaften, umtreibt.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Der unerfüllte Kinderwunsch von alleinstehenden und lesbischen Frauen war für den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron schon im Wahlkampf 2017 ein großes Thema. Er versprach eine Bioethikreform, der französische Ethikrat sprang ihm bald zur Seite. Eizellspende, Samenspende, das Einfrieren von Eizellen zur späteren Verwendung – alles ist inzwischen gesetzlich auf dem Weg, bis auf die Leihmutterschaft, die wegen der drohenden Konflikte um die Mutterschaft verboten bleiben soll. Doch es gibt Widerstand. Die Religionsgemeinschaften fürchten das Auseinanderbrechen der traditionellen Familien. Erzbischof Pierre d’Ornellas von der Französischen Bischofskonferenz sprach jüngst in einer Anhörung vom „elterlichen Projekt, das sich dem Kind aufdrängt“. Eine vaterlose Gesellschaft wird als Untergangsszenario beschworen. Nur die französischen Protestanten gaben in ihrer Stellungnahme zu verstehen, die künstliche Befruchtung müsse „sich an der Nachfrage der Patienten“ orientieren.

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