https://www.faz.net/-gqz-aefqv

Kulturzerstörung in Belarus : Für seine Gegner der Galgenstrick

Zerstörer der Zivilgesellschaft: Der belarussische Präsident Alexandr Lukaschenko hört seinem Sohn Viktor zu, der dem belarussischen Olympischen Komitee vorsitzt. Bild: dpa

In Belarus wurden wichtige Kultureinrichtungen und Medien geschlossen. Jetzt wirbt Präsident Lukaschenko um die Künstler und Intellektuellen seines Landes, stellt ihnen jedoch harte Bedingungen.

          4 Min.

          Der belarussische Präsident Alexandr Lu­kaschenko, der versucht, in seinem Land ein totalitäres System zu errichten, wirbt um die Intellektuellen und droht ihnen zugleich. Die künstlerische Intelligenz sei das Gesicht der Nation, des Volkes, des Staates, erklärte Lukaschenko vorigen Monat in einer Rede zum Tag der Unabhängigkeit im Bolschoi-Theater von Minsk. Umso mehr bitte er die Kreativen, sich in Acht zu nehmen und keine falschen Schritte mehr zu tun. Denn wenn ein Künstler, der ein wiedererkennbares Gesicht gewonnen habe, die­ses verliere, dann sei der Schaden faktisch nicht mehr gutzumachen, sagte der Präsident. Zu­gleich warnte er die Intelligenzija vor der Politik, wo grausame, ja tollwütige Gesetze herrschten, denen Leute ihres Schlages nicht gewachsen seien.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Das war ein Machtwort an die Belegschaft des Bolschois, wo soeben dem als Volkskünstler hochdekorierten Bariton Wla­dimir Petrow sein Vertrag nicht verlängert wurde, offenbar weil er im vergan­genen Oktober sich am „Volksultimatum“ der Opposition beteiligt hatte, das von Lukaschenko verlangte, zurückzutreten, die Gewalttaten gegen die Be­völkerung zu beenden und politische Ge­fangene freizulassen. Zugleich wurde der Klavierbegleiter des Chors des Hauses, Iwan Titow, entlassen, von dem es heißt, er habe auf den von Gesichtserkennungskameras überwachten Straßen von Minsk eine Maske in den Nationalfarben Weiß-Rot-Weiß getragen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Christian Lindner, FDP-Chef

          Bundestagswahl : Die FDP und die Wirtschaft

          Wenn es hart auf hart kommt, setzt die FDP auf klassische Wirtschafts- und Finanzthemen – und hält sich für mögliche Koalitionen zugleich Hintertüren offen. Die Anhänger könnten gerade das erleben, was sie vor der Wahl abschreckt.