https://www.faz.net/-gqz-a8asz

Politischer Islam : Projekt gesellschaftliche Umgestaltung

Lorenzo Vidino ist Direktor des Programms für Extremismusforschung an der George-Washington-Universität in Washington. Seine wissenschaftlicher Schwerpunkt ist Islamismus in Europa und Nordamerika. Bild: Lumen Photo / VISUM

Der Extremismus-Forscher Lorenzo Vidino warnt davor, beim Thema Islamismus nur das Offensichtliche zu sehen. Ein Gespräch über den politischen Islam in Deutschland und dessen gefährlich unauffällige Vorreiter.

          5 Min.

          Herr Vidino, was in Europa halten Sie derzeit für gefährlicher: den Dschihadismus oder den sogenannten politischen Islam? Also die Militanten oder diejenigen, die auf politischem Wege ihre Vorstellungen durchsetzen wollen?

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Es ist schwierig, beides miteinander zu vergleichen. Denn es sind zwei unterschiedliche Formen der Bedrohungen. Aber wenn ich wählen müsste, würde ich sagen, der „politische Islam“, den man auch „legalistischen Islamismus“ nennt, ist die größere Bedrohung.

          Warum?

          Weil er ein Projekt der langfristigen gesellschaftlichen Umgestaltung verfolgt. Natürlich sind Dschihadisten in allen Ländern Europas eine Bedrohung. Es ist aber eine andere Art von Problem, wenn hochgradig organisierte und sehr gut finanzierte Gruppen in den muslimischen Gemeinschaften eine Botschaft aussenden, die immer auf Folgendes hinausläuft: Wir sind anders, wir gehören nicht wirklich in diese Gesellschaft, wir haben andere Werte. Diese Botschaft ist hochgradig spaltend. Hinzu kommt ein Opfernarrativ, das einen fruchtbaren Boden für die Rekrutierung durch radikale, militante Gruppen schafft.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          F.A.Z. PLUS:

            F.A.Z. digital

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Außengastronomie geöffnet: Gäste in der Saarbrücker Kneipe „Glühwürmchen“ Anfang April

          Lockerungen bei hoher Inzidenz : Hat sich das Saarland verzockt?

          Die Landesregierung hält trotz steigender Infektionszahlen an Lockerungen fest. „Unser Saarland-Modell wirkt“, sagt Ministerpräsident Tobias Hans. Wissenschaftler kritisieren das hinter vorgehaltener Hand als „Irrsinn“.
          Nachdenklich: Hasan Salihamidžić im März in Leipzig

          Flick und der FC Bayern : Selber schuld!

          Der FC Bayern wurde von Hansi Flicks vorzeitiger Kündigung regelrecht überrumpelt. Der Erfolgstrainer wollte mehr Einfluss im Verein – Hoeneß und Salihamidžić waren dagegen. Wer soll ihn ersetzen?
          Er will gehen: Hansi Flick, seit November 2019 Cheftrainer beim FC Bayern.

          Der Trainer will weg : Flick kündigt dem System Hoeneß

          Weil der Trainer, der sechs Titel holte, beim FC Bayern trotzdem nicht viel zu sagen hat, überrumpelt er zum Abschied auch den eigenen Klub. Die Spieler sind berührt. Nur die Führung missbilligt das einseitig verkündete Ende.