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Libanon-Krieg : Die Märchen der Hizbullah

  • -Aktualisiert am

Stammgast bei Al Manar: Hizbullah-Chef Nasrallah Bild: dpa

Unsterbliche Helden und Videomontagen miesester Computerspielqualität: Wie der Sender Al Manar Nachrichten und Bilder vom Krieg im Libanon frisiert und gefälscht hat.

          Auf gewisse Weise erinnerte das Programm des Hizbullah-Fernsehsenders Al Manar während des jüngsten Nahost-Krieges an die deutschen Wochenschauen der Jahre 1944 und 1945. Allwöchentlich wurde damals angeblich der Feind zurückgedrängt, eingekesselt, und die gemeldete Zahl der erfolgreichen deutschen Gegenoffensiven ließ kaum vermuten, daß die Rote Armee bald vor Berlin stünde. Auf Al Manar ging es im vergangenen Monat ähnlich zu: Seit Ausbruch der Feindseligkeiten am 12. Juli verging kein Tag, an dem nicht geradezu unmöglich anmutende militärische Erfolge und Heldentaten verkündet wurden. Als kritischer Beobachter konnte man dabei das Lachen oft nicht unterdrücken.

          Acht Panzer hätten die „Kämpfer unseres heldenhaften Widerstands“ in die Luft gesprengt, meldete der Sender eines Abends im Juli. Und dann flackerte eine am Computer gebastelte Videomontage miesester Computerspielqualität über den Bildschirm. Wenige Tage später präsentierte der Sender Filmmaterial, auf dem angeblich der Abschuß eines israelisches Kampfflugzeuges zu sehen sein soll. In Wirklichkeit hatten die Hizbullah-Reporter gefilmt, wie eine ihrer Zilzal-Raketen nach wenigen hundert Metern in der Luft explodierte.

          Nebliges „Beweismaterial“

          Ein Höhepunkt aber war der Auftritt eines Hizbullah-Führers auf dem vergleichsweise seriösen arabischen Sender Al Dschazira. Man habe ein Boot der israelischen Marine angeschossen und zum Sinken gebracht, verkündete er stolz. Leider sei es so neblig gewesen, daß auf dem gefilmten „Beweismaterial“ nicht wirklich viel zu sehen sei. „Aber wir arbeiten daran, wir arbeiten sehr hart daran“, versprach der Hizbullah-Mann.

          Nachrichtenstudio von Al Manar

          Rund um die Uhr zeigte Al Manar immer wieder grausam verstümmelte Opfer israelischer Luftangriffe, unterbrochen von Berichten über zahllose verletzte und getötete Soldaten der „zionistischen Besatzungsarmee“. Seltsamerweise schienen Hizbullah-Kämpfer in diesem Krieg unsterblich zu sein. Selbst die libanesischen Autoritäten sprachen immer nur von „getöteten Zivilisten“ - gegen Kriegsende sollen es „mehr als tausend“ gewesen sein. Mittlerweile hat die Hizbullah 68 tote Kämpfer eingeräumt, in Wahrheit dürfte die Zahl wohl um die fünfhundert liegen. Es ist durchaus möglich, daß 440 Kämpfer einfach als Zivilisten verbucht wurden.

          Äußerst fragwürdige Zeugenaussagen

          Es ist eine Binsenweisheit, daß in Kriegszeiten viel und hemmungslos gelogen wird. Manches sollte offensichtlich sein und wird doch hemmungslos weiterverbreitet: Untermauert von äußerst fragwürdigen Zeugenaussagen, wurde da beispielsweise behauptet, der Angriff der Hizbullah auf eine israelische Militärpatrouille habe in Wahrheit auf libanesischem Staatsgebiet stattgefunden. Auch die Behauptung, Hizbullah-Kämpfer würden sich grundsätzlich nicht in Wohngebieten verschanzen, ist angesichts des reichhaltig vorhandenen Beweismaterials wohl in das Reich der Märchen zu verweisen. In anderen Fällen ist mehr Vorsicht geboten: denn selbstverständlich versucht jede Seite, die Propagandalügen des Gegners wiederum propagandistisch auszuschlachten.

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