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Ist die Bildungsrepublik noch zu retten? Die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie sind ernüchternd. Bild: dpa

Neue Pisa-Studie : Land der Lesemuffel

Die Lesefreude nimmt hierzulande ab, das Leistungsgefälle zwischen starken und schwachen Schülern wächst. Ist die Bildungsrepublik überhaupt noch demokratisch? Lehren aus der Pisa-Studie.

          2 Min.

          Wenn von Bildung gesprochen wird, ist die Krise nicht weit. Das war schon immer so. Nur ist jede Generation von neuem überzeugt, dass die Lage noch nie so schlimm war wie heute. Die Schüler verblöden, die Lehrer sind überfordert, die Gesellschaft verdummt: Die kulturell bedingten Untergangsszenarien sind plakativ und werden genährt von Vergleichsarbeiten, Bildungsstudien und Umfragen, deren Bilanz in gefühlt immer kürzeren Abständen mindestens unbefriedigend, wenn nicht katastrophal ausfällt. Ähnlich sieht es auch in den Reaktionen auf die neue Pisa-Studie aus, obwohl deren Ergebnisse auf den ersten Blick gar nicht so verheerend sind – doch das täuscht. Deutschland liegt stabil über dem OECD-Durchschnitt, der Anteil der lesestarken Schüler ist vor allem an Gymnasien gewachsen, jener der leseschwachen an nichtgymnasialen Schularten allerdings auch.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Schon jetzt bringt die enorme Heterogenität der Schüler die Schulen an ihre Grenzen. Die Binnendifferenzierung, die ein solches Leistungsgefälle erfordert, ist im Unterricht oftmals nicht zu leisten. Stetig sinkende Anforderungen sind die Folge. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, wenn dabei herauskommt, dass jeder fünfte Fünfzehnjährige nicht einmal auf Grundschulniveau lesen kann. Fraglich ist, wie demokratisch eine Bildungsrepublik noch ist, die sich ein solches Maß an Ungleichheit erlaubt.

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