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Lego-Reihe „Friends“ : In dieser Idylle ist morgen wie gestern

Vor zwanzig Jahren konnten Frauen bei Lego noch Taxifahren

Nun war Lego vielen Kindern schon immer ein wenig zu abstrakt; es gab immer jemanden, der beim Legospielen hinterher enttäuscht auf die eckigen Pferde starrte, die er aus Vierersteinen zusammengestöpselt hatte, und dann fielen sehnsüchtige Blicke auf die kitschigen Barbie-Plastikpferde, die unschlagbar pferdiger aussahen. Bei Lego hatte man diesen wachsenden Unwillen der Kinder zur Abstraktion bald erkannt und kam mit immer lebensechteren Figuren auf den Markt. 1981 erschien Legos Fabuland-Serie, eine heitere Phantasiewelt mit den anthropomorphen Tierfiguren „Marc Affe“ sowie dem Ehepaar „Henry Schwein“ und „Blondi Schwein“.

Dass auch in Fabuland die Emanzipation ein Thema war, belegte die Aufgabenverteilung bei den Schweins: Die Plastikfigur „Henry Schwein“ gab es nur in einem Paket mit Schubkarre und Besen zu kaufen, was darauf schließen ließ, dass es sich bei Henry um eine Art Hausmann handelte, während „Blondi Schwein mit ihrer Taxi-Station“ gekauft werden musste - offenbar verdiente sie das Geld im rauhen Taxigewerbe. Schon in der Lego-Welt 2001 mussten jedoch die Jungs wieder hart sein und die Mädchen brav: Bei Duplo gab es damals für die Mädchen die kleine Puppe Sarah, die einladend im Katalog fragt: „Hilfst du mir beim Kochen?“, während die Jungs sich mit dem Rebellenkontrollzentrum der Star-Wars-Serie herumschlagen.

Biologistisches Emanzipationslametta

„Friends“ setzt nun die Welt von Sarah mit leichtem Emanzipationslametta (Roboterbau, Flugstunden) fort. Der Erfolg der Figuren wird anthropologisierend begründet: Es zeige sich, dass Mädchen nun mal so seien und Jungen anders. Nur: Die Testteilnehmer waren keine Säuglinge, sondern Kinder, die bereits jahrelang Rollenmodelle durch Eltern und Kindergarten vorgeführt bekommen haben, die sie im Friends-Spiel wiederfinden - und es ist eine Sache, Spielfiguren weniger eckig zu gestalten, und eine andere, zusammen mit den lebensechteren Gesichtszügen fragwürdige Lebensentwürfe zum Ideal zu erklären: Die seltsamen Kindfrauen, die in Legos Friends-Welt geschminkt im Café der putzenden Afroamerikanerin zuschauen, sind eher ein betoniertes Abbild aktueller sozioökonomischer Verhältnisse als eine spielerische Utopie, in der, wie es früher bei Lego war, alles umgebaut werden kann.

„Lasse dem Schaffensdrang des Kindes freien Lauf“, hatte Lego-Gründer Ole Kirk Christiansen einmal geschrieben, „und es wird eine Welt bauen, die reicher und phantasievoller ist, als es sich ein Erwachsener vorstellen kann.“ Man kann, angesichts der rosafarbenen Cafés von Murrays Heartlake City, in denen die Schwarzen putzen müssen und die Weißen sich vom Pferdestriegeln erholen, nur hoffen, dass das stimmt.

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