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Lego-Reihe „Friends“ : In dieser Idylle ist morgen wie gestern

Unschöne soziale Realitäten in heiterstem Tonfall

Emma dagegen besitzt, wie auch Mia, ein Pferd; sie will Modedesignerin werden. Um sich inspirieren zu lassen, streift sie mit ihrer Kamera durch Heartlake City, danach berät sie ihre Freundinnen bei der Wahl ihrer Outfits („Ja, das bist du“). Die fünfte Freundin, Stephanie, ist die „geborene Partyplanerin“ und nimmt - man will offenbar nicht das Bild einer typischen Vorstadt-Hausfrau aufkommen lassen - Flugstunden, ansonsten repräsentiert sie das Suburbia-Ideal der reinlichen Hausfrau: Sie putzt ihr Auto gern und „hört dabei Songs auf ihrem MP3 Player“ und lernt so, „dass Autowaschen Spaß machen kann“. Das öffentliche Leben der fünf Freundinnen besteht im Großen darin, „coole Accessoires“ zu kaufen.

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der fiktiven Idealstadt Heartlake City, dass sie unschöne soziale Realitäten im heitersten Ton präsentiert; eine andere Seltsamkeit sind die Figuren. Während es bei Playmobil eindeutige Erwachsenenfiguren und eindeutige Kinderfiguren gibt, sind die Mädchen von Heartlake Zwitterwesen: die Freundinnen sind einerseits Kinder, die bei ihren Eltern leben, auf Schatzsuche gehen und Baumhäuser bauen, andererseits nehmen sie Flugstunden oder fahren mit Stephanies „stylischem lilablauen Cabrio zum Strand, ins Café oder in den Beauty Shop“. Aus dem Beautysalon ins Baumhaus: Es ist eine seltsame Kindheit, die hier entworfen wird, ein Ideal von Weiblichkeit, dessen Eckpfeiler Cupcakebacken, Cabriofahren und Beautysalonbesuche sind.

Reaktionäre Sphärentrennung von Jungen und Mädchen

Das Labor, in dem Olivia ihre Roboter baut, wirkt da eher wie eine schmallippige Entschuldigung für das, was sonst in Heartlake City an Lebensvorstellungen und Rollenbildern herumgeistert. Auffällig in Legos neuer Idealwelt ist die völlige Abwesenheit von Jungen. Olivias Vater scheint das einzige männliche Lebewesen zu sein, das Zeitalter der Koedukation ist bei Lego vorbei. In alten Katalogen spielen Mädchen und Jungen noch gemeinsam mit Lego. Jetzt hat man das Ideal des gemeinsamen Weltenbauens aufgegeben: Die Jungen bekommen Star Wars, die Mädchen Heartlake, und während es im Universum der Playmobilfiguren Frauen gibt, die auch Landwirtin, Polizistin oder Piratin sein dürfen, herrscht ausgerechnet bei Lego strenge Geschlechtertrennung.

Warum? Laut Legos Presseabteilung ist „Friends“ eine „der am meisten getesteten Produktlinien“ von Lego. Der Konzern gab Eltern und Töchtern in Deutschland, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Dänemark Figuren und Bausätze zum Probespielen und wertete die Reaktionen aus. Herausgekommen sei, dass die klassischen kantigen Männchen wenig Akzeptanz fänden, selbst dann, wenn sie Langhaarfrisuren aufgesetzt bekämen. Die befragten Kinder hätten sich „explizit eine Figur gewünscht, die realistischer aussieht und mehr Accessoires und Details enthält. Mia, Emma, Andrea, Stephanie und Olivia haben deshalb eine schlankere Figur mit Rundungen, größere Augen und pinkfarbene Lippen.“

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