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Ostukraine in Angst : In Slawjansk herrscht Terror

  • -Aktualisiert am

Riesiges Waffenarsenal in unbefugten Händen: Ein prorussischer Freischärler zeigt einem Kind in Slawjansk sein automatisches Gewehr Bild: Kommersant via Getty Images

Die Welt blickt auf die ukrainische Stadt Slawjansk. Was es heißt, in diesen Tagen Bürger einer Stadt zu sein, in der jeder, der eine Waffe wollte, auch eine bekommen hat.

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          Stellen Sie sich vor, Sie kommen von der Arbeit, und vor Ihrem Haus lehnen an einer Straßensperre drei junge Männer, fast noch Jugendliche; sie haben sich am nahen Kiosk mit Bier versorgt, und einer von ihnen hat eine MP umgehängt. Sie wissen nicht, wer diese Leute befehligt, was sie vorhaben, wann sie schießen.

          In Slawjansk ist das heute eine alltägliche Situation. Das trotz 120000 Einwohnern bislang eher verschlafene Städtchen kennt man mittlerweile aus den Nachrichten. Ich habe den Sturm „prorussischer Separatisten“ auf die dortige Miliz in einem kurzen Video im Netz gesehen: Das sind „grüne Männchen“ wie auf der Krim, straff organisierte und bis an die Zähne bewaffnete Profis, keine Spur von „Selbstverteidigungskräften“.

          Wir haben Angst

          Als eine der ersten Aktionen der Besetzer wurden Waffen aus dem Bestand der Miliz an jeden ausgeteilt, der eine haben wollte. In der Stadt ist ein riesiges Waffenarsenal in unbefugten Händen. Unsere in Slawjansk lebenden Bekannten erzählen: Wenn man in die Stadt fährt, muss man mehrere Straßensperren mit bewaffneten Posten passieren, die ohne jede Frage erst einmal den MP-Lauf ins Autofenster halten.

          „Wer steht da eigentlich?“, frage ich nach. Die Antwort: Es seien nicht die militärischen Profis (die sitzen in der besetzten Stadtverwaltung oder im Milizgebäude und kommen kaum heraus), sondern Leute aus dem Ort oder der Umgebung, in der Regel ältere oder ganz junge Männer, viele, denen man die Trunksucht ansehe, Deklassierte, Arbeitslose, die sich jetzt gebraucht fühlen, ein Abenteuer erleben wollen. Andere ließen durch Sprache und Verhalten deutlich erkennen, dass sie zu kriminellen Gruppen gehören.

          Die Stadt ist nicht mehr, was sie einst war: Statt bunter Wochenmärkte sind Angst, Terror und Trauer alltäglich in Slawjansk

          Etliche haben Tischchen improvisiert, auf denen die Wodkaflasche und saure Gurken Platz finden; man sägt die Bäume am Straßenrand ab, um sich auf Lagerfeuern Schaschlik zu braten. Ein Idyll, wären da nicht die geladenen Waffen. Mittlerweile sind allein drei Bekannte unserer Freunde durch Schusswaffen verletzt worden: Eine Frau wurde aus unklaren Gründen in einem Taxi beschossen, ein Ehepaar bei einem Raubüberfall im eigenen Haus verletzt. „Wir haben Angst, auf der Straße, zu Hause“, sagt eine Freundin.

          Totale Anarchie

          Ende letzter Woche hatte es einige panische Tage gegeben, in denen der Antiterroreinsatz der ukrainischen Streitkräfte erwartet wurde. Da sei die Stadt ausgestorben gewesen, wird uns erzählt, und die Hubschrauber über der Stadt, die Flugblätter mit Verhaltensanweisungen abwarfen, machten die Menschen verrückt. Eine Bekannte saß ein paar Stunden mutterseelenallein in der Aufnahme eines Krankenhauses: Kein anderer Patient ließ sich blicken. Schulen und Kindergärten waren geschlossen.

          Mittlerweile wird Normalität gespielt: Alexander Subarjow, der Leiter des Schulamts von Slawjansk, erklärte am Montag auf der Website Slavgorod.com.ua, es gebe keinen Grund, sein Kind nicht zur Schule zu schicken: Alles gehe seinen gewohnten Gang. Hinter verschlossenen Türen tagte der Stadtrat von Slawjansk (42 von sechzig Abgeordneten waren anwesend) und beschloss, die Männer auf den Barrikaden zu legalisieren – eine echte Volksmiliz solle gegründet werden, mit Papieren.

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