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Leben im Tiny House : Das Glück liegt im Verzicht

Heute hier, morgen dort: Mit dem Tiny House ist das möglich, zumindest theoretisch. Bild: action press

Der Trend zum Tiny House kam aus Amerika, hat sich aber längst auch bei uns etabliert. Was wird in der Corona-Krise daraus – und danach?

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          Minimalismus als bewusster Lebensstil, der Ressourcen schont und der Konsumkultur den Rücken kehrt, macht nur dann wirklich Spaß, wenn man vorher in einem Zweihundert-Quadratmeter-Loft residierte und mal etwas Neues ausprobieren möchte, weil man gemerkt hat, dass einen weder der Überfluss an Platz noch der riesige Flatscreen glücklich machen. Für alle anderen ist das Wohnen in einem Mikro-Apartment oder Tiny House, wo einem schnell die Decke auf den Kopf fällt (oder man sich diesen daran stößt), schlicht der Tatsache geschuldet, dass sie sich keine größere Behausung leisten können. Bei schuhkartonkleinen Wohnungen stellt sich im Gegensatz zu den Tiny Houses jedoch eine Frage nicht: die nach der Eignung für schicke Fotos auf Instagram, der „instagramability“.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Armut ist nicht sexy. Tiny Houses sind es schon. Sie taugen ebenso gut als Projektionsfläche wie das von stadtmüden Träumern zum Paradies verklärte Landleben, wobei Minihäuser und Naturnähe für gewöhnlich zusammengehören, was die Attraktivität der zwischen fünfzehn und fünfundvierzig Quadratmeter messenden Häuser noch steigert. Bei Instagram wird das Leben in einem für Nachhaltigkeit und Achtsamkeit stehenden Tiny House als maximal romantisch dargestellt: Man klickt sich durch mit viel Liebe zum Detail und Designverständnis eingerichtete, oft an Blockhütten erinnernde Unterkünfte im Grünen, deren Bewohner jung und gutaussehend sind. Manche haben Hunde, andere Kinder und viele eine Gitarre. Als man noch die Welt bereisen konnte, waren Tiny Houses eine beliebte Kategorie bei Airbnb: Übungsobjekte für ein XS-Leben.

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