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Lamya Kaddor : Stimmungsmache

Sie zitiert nicht wortgetreu: Lamya Kaddor. Bild: dpa

Die Autorin Lamya Kaddor sagt, sie werde von Rechten bedroht und verfolgt. Dabei unterscheidet sie nicht zwischen Kritik und Hass. Das aber sollte sie tun.

          Die Religionslehrerin und Autorin Lamya Kaddor hat sich nach eigener Angabe aus Sicherheitsgründen vom Schuldienst beurlauben lassen. Der Hass, mit dem sie inzwischen konfrontiert werde, sagte sie am Donnerstag im Morgeninterview des Deutschlandfunks, sei unerträglich geworden, er reiche bis zu Morddrohungen. Die Polizei wiederum schütze sie nur halbwegs, erstatte zwar Anzeige bei extremen Hassmails, doch wenn sie „von rechts“ attackiert werde, „von Intellektuellen in diesem Land“, verweise man auf die Meinungsfreiheit.

          Sie vermutet, die Angriffe hätten mit ihrem neuen Buch „Die Zerreißprobe“ zu tun, mit Forderungen, die sie dort formuliert - zum Beispiel an die Mehrheitsgesellschaft bezüglich des Umganges mit Minderheiten. Es ist von Bringschuld (der Deutschen) die Rede und von einer neuen Identität, die ein nebulöses „Wir“ jetzt brauche. Eine kritische Auseinandersetzung mit ihren Vorschlägen für unsere schöne neue Welt scheint ihr nicht zu behagen, was so neu nicht ist.

          Denn Lamya Kaddor ist nicht nur prominent, sondern auch wenig zurückhaltend, wenn es gilt, Kritik abzuschmettern an ihren auch aus islamwissenschaftlicher Sicht oft recht wolkigen Thesen. Wer sich daranmacht, ihre Texte und Behauptungen gründlich auseinander- und sie beim Wort zu nehmen, muss mit ihrem Zorn rechnen. Und so ist es wenig erstaunlich, dass sie „Intellektuelle“ denunziert, sie würden die Stimmung gegen sie noch anheizen. Beispiele nennt sie nicht. Nur Henryk M. Broder, der es besonders schlimm treibe. Sie erkenne das daran, sagte sie im Interview, dass sie Massen von E-Mails bekomme, die auf dessen Texte verlinkten, „und mir natürlich deshalb auch klarwird, woher das Ganze kommt“. Die Morddrohungen?

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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