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Kurioser Nachlassfund : Die Iffland-Räuberpistole

Iffland als Magister Lämmermeier in einem Lustspiel des heute vergessenen Vielschreibers Julius von Voß. Unsere Abbildungen sind dem Band „Das Berliner Theaterkostüm in der Ära Iffland“, hrsg. von Klaus Gerlach, Berlin, Akademie Verlag 2009, entnommen. Bild: Akademie Verlag

August Wilhelm Iffland war der größte Theatermann Preußens in der Goethezeit. Sein verschollen geglaubter Nachlass ist jetzt sensationellerweise wiederaufgetaucht – unter dubiosen Umständen.

          Als Schiller und Goethe (und August von Kotzebue) ihre Dramen schrieben, beherrschte er die Bühne: August Wilhelm Iffland, Regisseur, Bühnenautor, Schauspieler, Intendant der deutschen Klassik. Der Nachlass dieses Universaldarstellers galt bislang als verschollen. Unter denkbar merkwürdigen Umständen ist er jetzt wiederaufgetaucht. Im Katalog der Ludwigsburger Buchmesse „Antiquaria“ hat ein Wiener Antiquariat ein Konvolut aus sechstausend Briefen in 34 Bänden angeboten – zum Preis von 450.000 Euro.

          Schon zu Lebzeiten war Iffland eine Legende. 1759 geboren, hatte er den Franz Moor in der Mannheimer Uraufführung von Schillers „Räubern“ gespielt und von 1796 bis 1814 das Nationaltheater in Berlin geleitet. Das machte Iffland, wie Jens Bisky einmal treffend formuliert hat, zum „wichtigsten Kunstbeamten Preußens“. Berlins Theater hatte damals zweitausend Plätze, für eine Stadt von damals 170.000 Einwohnern, täglich wurden zwei Stücke gespielt, es war das Kino seiner Zeit.

          1814 starb Iffland. Sein Nachlass enthält Korrespondenzen aus dem gesamten Spektrum der Bühnenkunst: mit Dramatikern, Schauspielern, Sängern, Verlagen, dazu auch Stückmanuskripte der Zeit, Besetzungs- und Dekorationsverzeichnisse, Rechnungen und so weiter. Es dürfte sich um einen der theatergeschichtlich bedeutendsten Nachlässe überhaupt handeln.

          Ein Held seiner Zeit: August Iffland als Shylock im „Kaufmann von Venedig“.

          Wie ist dieser Bestand nach Wien gekommen? 1929 ist der im Archiv der Preußischen Staatstheater befindliche Nachlass Ifflands an das Berliner Theatermuseum übergegangen. Das Museum existierte, unter Aufsicht der Berliner Generalintendanz, mehr schlecht als recht von 1929 bis 1944, seit 1937 im sogenannten Lynarschen Flügel des Berliner Schlosses. Nach der Zerstörung des Schlosses und der unübersichtlichen Verteilung dessen, was danach noch vorhanden war, schien der Iffland-Nachlass in alle Winde verstreut.

          Ihr „nunmehriges Wiederauftauchen darf als Glücksfall gelten“, heißt es im Ludwigsburger Katalog. Doch selbstverständlich können 34 Bände nicht einfach plötzlich „auftauchen“, wie ein Relikt vom Meeresboden. Jemand muss sie die ganze Zeit gehabt haben. Aber woher?

          Beim Antiquar eingeliefert wurden sie, dem Katalog zufolge, aus der „Sammlung Fetting“. Hugo Fetting, Jahrgang 1923, ist Theatergeschichtler und war von 1952 an bis in die siebziger Jahre Mitarbeiter der Akademie der Künste der DDR. Schon 1953 bereitet er, ausweislich eines Arbeitsberichts der Akademie, die Herausgabe von Ifflands Schriften vor. Ein Arbeitsplan von 1954 erwähnt die „Übernahme des Archivs der Staatsoper“ durch die Akademie der Künste. Später ist in den Akten der Akademie von diesem Archiv nie mehr die Rede. Fetting gibt 1955 „Die Geschichte der Deutschen Staatsoper“ heraus. 1978 wurde er in Greifswald mit einer Arbeit über das Repertoire des Berliner Königlichen Nationaltheaters unter der Leitung von August Wilhelm Iffland promoviert.

          Was die Preußen schauten, als Schiller schrieb: zum Beispiel „Die Nymphe der Donau“

          Das alles steht in einem Text „zur Provenienz der Iffland-Akten in der Akademie der Künste“, den der dortige Leiter des Archivs für die darstellenden Künste, Stephan Dörschel, im Oktober 2013 angefertigt hat. Drei Jahre zuvor war Hugo Fetting über einen Vermittler namens Johnny Markschiess van Trix – einer flamboyanten Erscheinung aus der Welt des Varietés, Jahrgang 1920, und seit mehr als neunzig Jahren auf der Berliner Fischerinsel wohnhaft – an seinen ehemaligen Arbeitgeber herangetreten, um seine theaterhistorische Sammlung zum Kauf anzubieten. Darunter der Iffland-Bestand.

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