Moskauer Kulturszene :
Die Taliban im Kreml

Lesezeit: 7 Min.
Unter den Augen des Repressionsapparates: Ein Polizist sichert das Kulturzentrum GES-2.
In Russland hat sich praktisch die gesamte Kulturelite gegen den Ukrainekrieg gestellt. Putin und seine Getreuen finden kaum Alliierte in der Kunst, sie verhängen vor allem Verbote. Moskauer berichten.

Zu den prominenten Figuren des russischen Kulturlebens, die infolge des Ukrainekriegs Moskau verlassen haben, gehört auch der ukrainische Foto- und Installationskünstler Sergej Bratkow. Der durch seine dokumentarisch-verrätselte Bildsprache zum Klassiker der Charkiwer Schule avancierte Bratkow war um die Jahrtausendwende nach Moskau gegangen, wo er bis zuletzt an der Rodtschenko-Hochschule für Fotografie und Medienkunst unterrichtete. Privatkunden und das Moskauer Multimedia-Kunstmuseum sammelten seine Arbeiten, doch sein Dozentenstatus war prekär. An der Rodtschenko-Schule war statt seiner formell ein russischer Strohmann angestellt, an den sein Gehalt überwiesen wurde, das er an ihn weiterleitete, erzählt Bratkow der F.A.Z. in einem Café in Frankfurt am Main, wo er eine Bleibe fand – wie auch zwei seiner russischen Studenten, die ihr Land wegen des Krieges verlassen haben.

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