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Kulturpolitik : Was hinter dem Krach in der Preußen-Stiftung steckt

  • -Aktualisiert am

Erreicht im Februar 2008 die Altersgrenze: Stiftungspräsident Klaus-Dieter Lehmann Bild: dpa

Der Streit im Hamburger Bahnhof ist nur das erste Vorbeben immenser Umwälzungen in der Berliner Kunstwelt: Im kommenden Jahr sind zwei der höchsten Feldherrnhügel neu zu besetzen, die es in der deutschen Kulturlandschaft zu erklimmen gibt.

          Der dröhnende Auszug von Heiner Bastian aus dem Hamburger Bahnhof ist nur das erste Vorbeben immenser Umwälzungen in der Berliner Kunstwelt. Bastians wüste Attacke, drei weitere Jahre mit Generaldirektor Peter-Klaus Schuster drohten zur „Katastrophe“ für die Berliner Museen zu werden, zeigt, worum es geht: um Posten und also um Macht.

          Im kommenden Jahr enden wenige Monate nacheinander die Amtszeiten der beiden wichtigsten Museumsgranden der Hauptstadt. Im Februar 2008 feiert der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, seinen achtundsechzigsten Geburtstag und muss dann seinen Stuhl an der Spitze des größten Sammlungskomplexes der Republik räumen. Ein gutes halbes Jahr später, im Oktober 2008, wird Schuster, Lehmanns wichtigster Mitarbeiter und Herr über siebzehn Museen, fünfundsechzig Jahre und erreicht damit die Altersgrenze für Beamte. Fast auf einen Schlag sind dann zwei der höchsten Feldherrnhügel neu zu besetzen, die es in der deutschen Kulturlandschaft zu erklimmen gibt.

          Wer sie erobert, ist weit mehr als eine Personalfrage. Es ist eine Entscheidung von eminenter kulturpolitischer Bedeutung. Denn Präsident und General regieren gemeinsam, in subtiler Hierarchie, nicht nur über die Berliner Museen, über Bibliotheken und Archive, sie müssen auch gewaltige Bauvorhaben dirigieren, und sie sind - vom Schlossplatz über die Digitalisierungsproblematik bis zum Beutekunststreit - unweigerlich an zentraler Stelle in die wichtigsten kulturellen Debatten der Nation verwickelt.

          Schon werden Namen gewispert, Gerüchte gestreut

          Nachfolger für Lehmann und Schuster zu finden ist Sache von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Es ist die folgenreichste und wohl auch die verzwickteste Aufgabe seiner Amtszeit. Bund und Länder, die die Stiftung gemeinsam tragen, sind daran beteiligt, politische Rücksichtnahmen in der großen Koalition sind zu üben, Strukturfragen innerhalb der Stiftung zu bedenken: Soll es überhaupt wieder einen Generaldirektor geben? Oder ließe sich dieser Posten einsparen, was die einzelnen Museumsdirektoren stärken würde - und den neuen Präsidenten gleich mit? Fest steht einstweilen nur, dass zunächst Lehmanns Nachfolge geregelt werden soll; dann könnte ein frischgewählter Präsident an allen weiteren Entscheidungen beteiligt werden. Etwa an der, ob Schusters Amtszeit verlängert wird, was ausnahmsweise möglich wäre, oder ob beispielsweise Max Hollein berufen wird, der Chef des Frankfurter Städel und der Kunsthalle Schirn, dem manche eher zutrauen, die Berliner Museen fürs Zeitgenössische zu öffnen.

          Auch in der Präsidentenfrage werden schon Namen gewispert, Gerüchte gestreut, bringen sich Bewerber in Stellung. Denn Neumann verfolgt einen ehrgeizigen Zeitplan. Möglichst zur nächsten Sitzung des Stiftungsrats der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Juni will er einen Präsidentschaftskandidaten präsentieren. Eine Findungskommission ist benannt und wird im April zum ersten Mal tagen. Derzeit zirkuliert in den Ländern ein Brief aus dem Bundeskanzleramt, in dem um Vorschläge gebeten wird. Bislang ohne Erfolg. Noch wagt aus taktischen Gründen keine Staatskanzlei eine Nominierung, haben doch die letzten, dramatischen Besetzungsschlachten gezeigt, dass schnell verbrannt ist, wer sich zu früh aus der Deckung wagt.

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