https://www.faz.net/-gqz-9ktab

Umgang mit Kolonial-Kunst : Kulturminister einigen sich auf Rückgabe von Kulturgütern

  • Aktualisiert am

Die Zeichen stehen auf Rückgabe: Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Hamburgs Kulturminister Carsten Brosda (SPD). Bild: dpa

Kulturgüter aus kolonialem Kontext sollen an die Herkunftsländer zurückgehen. Darauf haben sich Kulturminister von Bund und Ländern verständigt. Museen und Sammlungen sollen ihre Bestände durchforsten.

          Bund und Länder haben sich auf dem Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialem Erbe verständigt. Vorrang bei der Aufarbeitung des Sammlungsgutes soll menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten zukommen, heißt es in einer am Mittwoch in Berlin verabschiedeten gemeinsamen Eckpunktepapier der Kulturminister. Bei den Kulturgütern sei angesichts der hohen Zahl eine Priorisierung notwendig. Besonders wichtig seien aufgrund ihrer Erwerbungsumstände diejenigen Kulturgüter, die im Rahmen formaler Kolonialherrschaften des Deutschen Reiches aus ihren Gesellschaften entfernt und nach Deutschland verbracht wurden, sowie Kulturgüter aus anderen Kolonialherrschaften, für die Rückgabeersuchen vorliegen.

          Die Einrichtungen in Deutschland, welche Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten bewahren, werden aufgefordert, ihre Bestände zu erforschen. Rückführungsersuchen von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten sollen schnell bearbeitet werden. Gleichzeitig werden Museen und andere Sammlungseinrichtungen aufgerufen, selbständig Werke zu identifizieren, die für eine Rückführung in Frage kommen, auch ohne dass ein Rückführungsersuchen vorliegt.

          Das Eckpunktepapier bildet nach den Worten von Hamburgs Kulturminister Carsten Brosda (SPD) den Auftakt einer Diskussion, die auch mit den Herkunftsstaaten und deren Zivilgesellschaften weitergeführt werden soll. „Das was jetzt schon geht, soll getan werden, und parallel soll es weitere Klärungsprozesse geben“, sagte Brosda. Die Erklärung schaffe politische Sicherheit und sei ein „deutliches Bekenntnis des Staates“, mit dem Thema transparent umzugehen.

          Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach von einer Anerkennung der historischen Verantwortung Deutschlands für sein koloniales Erbe. Mit den Herkunftsstaaten werde ein Dialog der Partnerschaft und Würde angestrebt. Nach Angaben von Brosda muss man in den deutschen Sammlungen von mehreren Millionen Objekten ausgehen, die „jetzt angesehen werden müssen“, um ihre Herkunft und ihren Erwerb zu klären. Allein das Ethnografische Museum im Hamburg habe mehr als eine Viertelmillion dieser Exponate in seinen Beständen.

          Die neue Kulturministerkonferenz (Kultur-MK) hat zudem in einer weiteren Erklärung die Wichtigkeit kultureller und künstlerischer Freiheit betont. Die Freiheit der Kunst sei ein Gradmesser gesellschaftlicher und demokratischer Freiheit, heißt es darin. Die Länder bekennen sich dazu, diese Freiheiten zu schützen und zu einem Maßstab ihrer Kulturpolitik zu machen. Sie erachten es als die Aufgabe ihrer förder-, struktur- und ordnungspolitischen Initiativen, Räume zur Ausübung dieser Freiheiten zu sichern und - womöglich - zu erweitern.

          In der Erklärung sichern die Kulturminister zu, Initiativen von Künstlerinnen, Künstlern, Verbänden und Kultureinrichtungen, die die Bewahrung kultureller Freiheit und Vielfalt zum Gegenstand haben, zu unterstützen. Nach übereinstimmender Auffassung der Kulturministerkonferenz besteht kein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot staatlich finanzierter Einrichtungen, wenn die Verteidigung verfassungsrechtlicher Grundfreiheiten Gegenstand der Aktivitäten sei. Kultureinrichtungen sei die Möglichkeit zu sichern, sich zu gesellschaftlichen oder politischen Problemlagen zu äußern und auch kritisch Stellung zu beziehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.