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Kultprodukt „Döner“ : Die fetten Jahre sind vorbei

  • -Aktualisiert am

Riesen-Döner machen plötzlich mißtrauisch Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Aufruhr im Dönerland: Das Fleisch vom Drehspieß, einstmals Symbol der deutsch-türkischen Einheit, ist in Verruf geraten. Macht das Gammelfleisch dem langjährigen Kultprodukt jetzt den Garaus? Ein Bericht von der Döner-Basis.

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          Tief in seine Denksportaufgabe versunken, sitzt ein gepflegter Herr mit Hosenträgern, weißem Hemd und weißen Haaren vor dem „Bananas“, einer Miniaturkneipe mitten im Frankfurter „Bermudadreieck“, dem Szeneviertel für Homosexuelle. Eine Ecke weiter liegt der Unterwäscheladen „Pantagon“, der Männertangas mit Chilischotendruck feilbietet. Mit scharfsinnigem Blick starrt der ältere Herr in die Luft: „Schreibt man Kohlrabi mit zwei ,a'?“ fragt er seine Tischnachbarin.

          In derselben Ladenzeile geben sich internationale Schnellimbißbuden ein Stelldichein, darunter allein drei Dönerkebap-Restaurants: der „Zeil-Döner“, die „Döner Hütte“ und das „Nazar Kebap Haus“. Deren türkischstämmiges Personal beschäftigt sich mit einer weniger appetitlichen Frage. Der gegenwärtige Fleischskandal gibt den Dönerbratern Rätsel auf. „Wir wissen nicht, woher es kommt. Macht alles Fabrik, weißt du.“ Besonders um den guten Ruf des Döners sorgen sich die jungen Männer, die ihre Gäste nach dem Essen zu schwarzem Tee einladen. „München, ist vierhundert Kilometer von hier. Aber für Döner ist Scheiße. Macht Name kaputt.“

          Soko Kühlhaus

          Für Eingeweihte stellt die Definition des Kultprodukts „Döner“ eine wahre Wissenschaft dar. Die Online-Enzyklopädie „Wikipedia“ hat gar ihre Döner-Diskussion für nicht angemeldete Debattierfreudige gesperrt. Zu oft sei der entsprechende Artikel dem Vandalismus anderer Nutzer zum Opfer gefallen. Mit der Herkunft und der genauen Schreibweise der kulinarischen Spezialität setzen sich Internetforen seitenweise auseinander. Für den Verbraucher heißt „Dönerkebap“ schlicht „das Fleisch vom Drehspieß“.

          Einst war der Döner Symbol der deutsch-türkischen Einheit

          Mehr als zehn Tonnen schlechter Dönerspieße befinden sich unter den Fleischmengen mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum, die in Bayern entdeckt wurden. Der Skandal zieht derweil immer größere Kreise. Die tiefgefrorenen Fleischkegel befänden sich nach wie vor in den Kühlräumen der Firma, diese und die Geschäftsräume des Betriebes seien versiegelt worden, sagt Christoph Reichenbach aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums München. Unbekannte Mengen verdorbenen Fleisches seien bereits in Umlauf, eine speziell eingesetzte „Soko Kühlhaus“ erforsche vor allem die Vertriebswege.

          Wahrzeichen der deutsch-türkischen Einheit

          Erste Proben, die das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nahm, ergaben, daß eine Gesundheitsgefährdung des Verbrauchers zur Zeit nicht besteht. Das Fleisch sei aber für den Verzehr nicht geeignet, sagte der Präsident des LGL, Volker Hingst, auf einer Pressekonferenz am Freitag. Wie die meisten Lieferanten versorgt auch der in Verruf geratene Händler das gesamte Bundesgebiet.

          „Das betrifft uns hier nicht“, sagt ein Fleischfladenbrotverkäufer am Hackeschen Markt in Berlin. „Bei uns wäre das viel früher aufgeflogen.“ Wie alle Läden in der Rosenthaler Straße im Stadtteil Mitte tragen auch die türkischen Schnellimbisse junge, hippe Szenenamen. Sie nennen sich „Shark Döner“ oder - besonders skurril anläßlich des Fleischskandals - „All-In-One“. Dabei gehören, was das Fleisch betrifft, nach der aus Berlin stammenden Dönerverordnung beileibe nicht alle Sorten und Qualitäten in einen echten Dönerkegel.

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