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NSA in Deutschland : Macht euch ein Bild!

Die NSA ist überall - hier der sogenannte Dagger Complex im hessischen Griesheim Bild: Travor Paglan

Der Künstler Trevor Paglen stellt eine Karte mit den deutschen Standorten des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes NSA ins Netz – und lädt uns alle ein, diese Orte zu fotografieren.

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          Allein die Namen: Der „Dagger Complex“ im Eberstädter Weg in Darmstadt-Griesheim. Der „Egelsbach Transmitter“ in Mörfelden-Walldorf. Und was genau geschieht im Ionosphäreninstitut in Gauting, was im Bahnhof des schönen Örtchens Bad Aibling, genaue Position 47°52´46.49“N, 11°59´7.20“E?

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Einen Ort auf der seltsamen Liste, die der amerikanische Künstler Trevor Paglen an diesem Wochenende ins Netz stellt, kennt man: die Botschaft der Vereinigten Staaten in Berlin. Als sie am 4. Juli 2008 von George Bush senior und Angela Merkel eröffnet wurde, standen die Berliner erstaunt vor einem Neubau, der mit schießschartenartigen Fenstern misstrauisch am Brandenburger Tor vorbeiblinzelte, oben auf der Trutzburg stand ein kastenförmiger Aufbau, der überhaupt keine Fenster hatte, und wenn die Fassade einer Botschaft auch immer eine Botschaft an den Ort ist, an dem sie steht, dann erklärte einem dieses Gebäude: Freunde, wir haben hier zu tun, wir machen hier ein paar Sachen, die euch gar nichts angehen. Wenn die Aussage no comment die Form eines Gebäudes annehmen könnte, sähe das Ergebnis so aus.

          Angela Merkel hielt damals eine naturgemäß äußerst freundliche Rede, in der sie im Zuge vieler Nettigkeiten unter anderem erklärte, dass dank „bahnbrechender Spitzentechnologien“ unsere „Volkswirtschaften die innovativsten der Welt“ seien, und man glaubt ihr gern, dass sie damals nicht ahnte, welche Spitzentechnologie die lieben Freunde gerade in ihrer fensterlosen Kiste am Brandenburger Tor eingebaut hatten.

          Darüber wurde erst rund fünf Jahre später im Zug der Snowden-Affäre etwas bekannt, als der Enthüllungsjournalist Duncan Campbell über Abhöranlagen hinter einer Verblendung aus speziellem dielektrischem Material berichtete und der Verdacht aufkam, dass Amerika von der Botschaft aus Mobilfunkgespräche im gesamten Regierungsviertel abhören ließ, und besonders gern das Mobiltelefon der darüber äußerst verstimmten Angela Merkel. Spätestens seit diesem Moment lernte man in der Folge der Snowden-Enthüllungen eine neue Buchstabenkombination, von der man in Deutschland bisher noch gar nichts gehört hatte: NSA.

          Zu denjenigen, denen das Kürzel schon damals etwas sagte, gehört Trevor Paglen. Der Künstler hat als Kameramann und Rechercheur im Team des gerade mit einem Oscar ausgezeichneten Films „Citizenfour“ über Edward Snowden und die durch ihn ausgelöste Überwachungs- und Spionageaffäre mitgearbeitet. Seit über einem Jahrzehnt fotografiert Paglen Standorte der National Security Agency und des CIA.

          Landschaftsbilder mal ganz anders

          Es sind Bilder, die formal an die epischen Landschaftsbilder seiner Fotografenkollegen erinnern, oft sogar an die amerikanische Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts - nur dass es hier nicht um das Zukunftsversprechen einer leeren Weite geht, in der man sich eine Farm bauen könnte, sondern um ihre dystopische Perversion: Wo in Giffords dunstigen Blicken über die Catskill Mountains oder in Frederick Churchs dramatischem „Zwielicht in der Wildnis“ die weite, leere Landschaft immer ein Ausblick in eine unerwartet schöne Zukunft ist, stehen in diesen amerikanischen Landschaften jetzt Abhöranlagen und Rechenzentren, in denen heimlich erhobene Datenmengen gespeichert und ausgewertet werden.

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