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Kritiker des Islam : Unsere heiligen Krieger

Palästinische Schülerinnen auf dem Weg in ihre Klassen in Gaza Bild: AFP

Was wollen Broder und seine Schwestern, die Islam und Islamismus in einen Topf werfen und von der Religion kategorisch Selbstaufklärung fordern? Auch als Nichtkenner des Islam muss man diesen Voraussetzungen widersprechen. Eine Kritik der Kritiker des Islams.

          6 Min.

          Seit ich das Vorwort zur Taschenbuchausgabe von Henryk M. Broders Sachbuch „Hurra, wir kapitulieren!“ gelesen habe, erwarte ich stündlich einen Anruf dieses Herrn: „Aha, Sie glauben also auch an diese abscheuliche Religion, deren Anhänger in Irland schon wieder Bomben werfen, die Teufelsaustreibung immer noch im Programm haben und in Polen junge Frauen terrorisieren, die aus Not und Verzweiflung abgetrieben haben?“

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „Wenn Sie den Katholizismus meinen: der lehnt Bomben ab und fordert zum Verzeihen auf. Und den Teufel sehen wir auch differenzierter.“ „Warum weisen Sie dann diese Verbrecher nicht in die Schranken?“ „Wenn Sie mir die Adresse sagen, schicke ich gern Protestnoten an alle IRA-Splittergruppen, Abtreibungsgegner und auch an die letzten Exorzisten. Ich bin mir sicher, das wird Eindruck machen.“

          Eine zynische Aussage

          Natürlich wäre ein solches Telefongespräch selbst Henryk M. Broder zu bescheuert - aber genau so, nur auf eine andere Religion übertragen, funktioniert die Logik, mit welcher Broder begründen will, warum er jede Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus als irrelevant zurückweist: Ja, klar, die allermeisten Muslime, 99,9 Prozent, wie Broder kurz mal schätzt, seien friedliche Menschen, welche von den 0,1 Prozent nur als Geiseln genommen würden. Aber, so Broder weiter, da müsse man doch mal „die logische Anschlussfrage stellen, warum sich 99,9 Prozent von 0,1 Prozent missbrauchen und als Geiseln nehmen lassen, ohne die kleine radikale Minderheit in Schranken zu weisen . . .“

          Eine Muslimin mit Kopftuch lässt sich in Indonesien mit einer Glaubenschwester im Bikini fotografieren

          Mal abgesehen davon, dass, was Broder da als Logik bezeichnet, so absurd ist, dass man sich fragt, ob der Autor wirklich selber daran glaubt, ist die Aussage, die in der Frage steckt, nicht nur falsch, sie ist auch zynisch. Weitaus die meisten Opfer, die der Terror im Namen Allahs fordert, haben selber an Allah geglaubt - weil man aber Menschen, deren Waffe ein Sprengstoffgürtel ist oder ein Auto voller Dynamit, an dessen Steuer sie selber sitzen, nur schwer für ihre Taten vor Gericht stellen kann, sind es die vermuteten und vermeintlichen Hintermänner, die in ägyptischen und irakischen Gefängnissen sitzen. Und die Frau in Bagdad, deren Sohn gerade von einer Autobombe zerfetzt worden ist; die junge Afghanin, die sich fürchtet davor, dass die Taliban, falls sie siegten, sofort die Schulen wieder schließen würden: Die haben womöglich andere Sorgen, als dass sie Zeit fänden, dem Herrn Broder im fernen Deutschland zu versichern, wie dringend sie dieTerroristen in die Schranken weisen möchten.

          Ein System mit totalitärem Anspruch

          Man könnte jetzt Henryk M. Broders gesammelte Meinungen als irrelevant zurückweisen, schon weil dieser Autor mit dem Anfertigen sogenannter Pointen (eine seiner besten: der Islam verhalte sich zum Islamismus wie der Terror zu Terrorismus) zu beschäftigt ist, als dass er Zeit fände für einen klaren Gedanken oder eine wirklich schlüssige Analogie - wenn Broder nicht nur besonders derb und drastisch formulierte, was auch andere behaupten, Menschen, die tatsächlich etwas vom Islam verstehen, weil sie in muslimischen Ländern aufgewachsen sind, unter muslimischen Sitten und Unsitten gelitten haben und ihre Meinungen mit eigener Erfahrung begründen können, Frauen also wie die sympathische Necla Kelek, Deutsche türkischer Herkunft, oder Ayaan Hirsi Ali, die niederländische Autorin und Politikerin somalischer Herkunft, die am eigenen Leib spüren musste, welche Grausamkeiten eine patriarchalische Gesellschaft im Angebot haben kann.

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