https://www.faz.net/-gqz-14xqh

Kritiker des Islam : Unsere heiligen Krieger

Necla Kelek besteht auf der kategorischen Unterscheidung zwischen dem, was der Westen unter Religion versteht, und dem Islam, der eben mehr sei, nicht bloß ein Glaube, ein Bekenntnis, sondern ein System mit totalitärem Anspruch, welches Unterwerfung fordere, von jedem Einzelnen wie von der ganzen Gesellschaft; eine Ideologie, mit der Kompromisse wie die Trennung von Kirche und Staat und die Freiheit eines jeden, zu glauben, was er wolle, leider nicht möglich seien: Der Terror und der sogenannte Ehrenmord, die Unterdrückung der Frau und der Hass auf alle Ungläubigen, das seien nicht etwa Auswüchse, sondern nur besonders unangenehme Merkmale des Islams.

Ayaan Hirsi Ali ist neulich, in einer Verteidigungsschrift fürs Schweizer Minarettverbot, noch weiter gegangen: Das Minarett, so schrieb sie im „Christian Science Monitor“, sei nicht etwa das Pendant zum Kirchturm der Christenheit (obwohl es ja dem gleichen Zweck dient und die architekturgeschichtliche Arbeitshypothese nicht ganz abwegig ist, wonach die Christen, deren Basiliken jahrhundertelang ohne Türme in der Landschaft standen, vom Anblick muslimischer Minarette zur Erfindung des Kirchturms inspiriert worden seien) - vielmehr sei das Minarett als Zeichen zu lesen, als Herrschaftszeichen einer totalitären und verbrecherischen Weltanschauung, vergleichbar nur Hammer und Sichel und dem Hakenkreuz. Auch Ayaan Hirsi Ali ist überzeugt davon, dass, wer den Dschihad, die Ehrenmorde und die Unterdrückung der Frauen nicht will, auch gleich auf den Islam verzichten könne.

Wann ging dann der Dschihad des Westens zu Ende?

Diese Befunde sind schon deshalb deprimierend, weil sie keinen anderen Schluss zulassen, als dass die Muslime in unsere westlichen, säkularisierten Gesellschaften nicht integriert werden können - es sei denn, sie hörten auf, Muslime zu sein. Und als Bewohner der westlichen, säkularisierten Welt, als Deutscher, dessen Begegnungen und Erfahrungen mit der muslimischen Welt sich auf Besuche in Kreuzberg, Istanbul und Brooklyn, ein paar türkisch-deutsche, arabische und pakistanische Freunde, Bekannte, Kommilitonen sowie das intensive Studium der Geschichten aus tausendundeiner Nacht beschränken, als so ein Nichtwisser und Nichtversteher traut man sich erst mal gar nicht, den Kritikern und Feinden des Islams zu widersprechen.

Es muss aber sein, und je genauer man sich die Argumente anschaut, desto klarer wird auch, dass sich die Gegenargumente eher in der westlichen Geistes- und Religionsgeschichte finden, in unseren Verfassungen und Menschenrechtserklärungen - und, nur nebenbei, in der Erinnerung an einige folkloristische Eigenheiten Siziliens, Kalabriens, des Balkans, welche uns darauf weisen, dass ein mörderisches Verständnis von Ehre und Jungfräulichkeit, die Blutrache und die brutale Unterdrückung der Frauen keine Spezialität des Islams sind, sondern dass sich archaische und grausame Formen des Patriarchats in den abgelegenen Gebieten des Südens so lange hielten, bis der Rechtsstaat und die Lockerung der Sitten sich endlich auch dort durchgesetzt hatten (vor kurzem also; oder auch: noch immer nicht ganz).

Weitere Themen

Künstler isst 120.000 Dollar teure Banane Video-Seite öffnen

Festnahme : Künstler isst 120.000 Dollar teure Banane

Auf der Art Basel in Miami hat ein Performance-Künstler eine an die Wand geklebte Banane aufgegessen, die ein Werk des Italieners Maurizio Cattelan und bereits für einen sechsstelligen Betrag verkauft worden war.

Topmeldungen

Dicke Luft in Stuttgart

Klimagipfel : Mit Verzichtspanik wird nichts erreicht

Als müsste in einer klimafreundlicheren Welt jemand aufs Auto, aufs Heizen, Fliegen oder auf Kinder verzichten! Das Vertrauen in die Technik ist bei denen, die den Innovationsgeist am lautesten für sich reklamieren, am geringsten.

Zukunft der Groko : „Stabilität ja, Siechtum nein“

Einen grundlegend neuen Kurs der Koalition werde es nicht geben, warnt die Union die SPD. Beim Klimapaket, das am Abend im Vermittlungsausschuss beraten wird, erwartet der Unionsfraktionschef aber eine schnelle Einigung.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.