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Klassische Musik : Ausklang? Von wegen!

Bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci knallt’s. Bild: Musikfestspiele Potsdam Sanssouci / Stefan Gloede

Die klassische Musik habe ein Publikumsproblem, heißt es: im Konzert nur Greise, unter den Jungen Desinteresse. Tatsächlich hat das Krisengerede andere Gründe.

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          Lichtblauer Juniabend, hoch über der Havel, die Sonne wirft bunte Flecken durch die farbigen Fenster auf die Ziegelwände. In der Kirche Sankt Peter und Paul auf Nikolskoe, genau gegenüber der Berliner Pfaueninsel, sitzen die Menschen dicht an dicht. Sie hören dem Kammerensemble Ludus Instrumentalis zu. Gespielt wird Musik vom Zarenhof Katharinas der Großen. „Europa an der Newa“ heißt das Konzert bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci. Es ist ausverkauft, restlos, die Kasse war dicht seit dem späten Vormittag. Menschen aller Altersgruppen sind zusammengekommen: ins Lauschen versunkene Frühsiebziger, mit sich selbst beschäftigte Paare in den Dreißigern, Fünfjährige, die mit den Beinen gegen die Holzbrüstungen wummern. Ganz normal also, wie überall.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Liest man nicht immer wieder, der klassischen Musik sterbe das Publikum weg? Überalterung, schrumpfende Abonnentenzahlen, Absinken der Kartenverkäufe? Hatte nicht der Dirigent Kent Nagano in seinem Buch „Erwarten Sie Wunder“ behauptet, es gebe eine „existentielle Krise der klassischen Musik“? Dem stehen Rekordmeldungen bei Kartenumsätzen, Auslastungen oder Besucherzuwächse der Musikfestivals krass entgegen. Die Zahl der Musikfestivals in Deutschland ist von 45 vor dem Zweiten Weltkrieg auf gegenwärtig (je nach Zählweise) drei- bis fünfhundert gestiegen, was ökonomischer Wahnsinn wäre, gäbe es keine gesteigerte Nachfrage. Der Eindruck der Krise, der von Alarmisten gern verstärkt wird, entsteht vor allem dadurch, dass drei verschiedene Dinge nicht auseinandergehalten werden: der Publikumszuspruch, die musikalische Bildung, die gesellschaftliche Geltung klassischer Musik.

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