https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/krisen-bewaeltigen-interview-mit-stefanie-graefe-ueber-resilienz-17205622.html

Krisenbewältigung : Resilienz ist die falsche Antwort

Resilienz meint, dass ein Mensch trotz schlechter Rahmenbedingungen, Stressbelastungen und sonstiger Zumutungen des Lebens psychisch stabil bleibt, harte Zeiten gut durchsteht: Frauen in Espoo, Finnland, beim Eisbaden. Bild: dpa

Wer resilient ist, ist nicht unterzukriegen. Aber er findet sich auch damit ab, dass sich an den Ursachen für Probleme nichts ändern lässt. Ein Gespräch mit der Soziologin Stefanie Graefe über ein aktuelles Konzept der Krisenbewältigung.

          7 Min.

          Frau Graefe, der Begriff Resilienz entwickelt sich schon seit etwa zwanzig Jahren zum Schlagwort. Er wird auf Menschen bezogen, aber auch auf Regionen, Ökosysteme oder Demokratien. Spätestens seit Beginn der Covid-Pandemie scheint der Begriff allgegenwärtig. Wo liegen seine Ursprünge?

          Novina Göhlsdorf
          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

          Er stammt unter anderem aus den Materialwissenschaften. Da bezeichnet er den Umstand, dass ein Stoff nach Einwirkung von außen schnell wieder in den alten Zustand zurückkehrt. Das Konzept psychologischer Resilienz kam in den 1970er Jahren auf. In einer Studie auf Hawaii hat die Psychologin Emmy Werner jahrzehntelang Kinder in ihrer Entwicklung beobachtet. Manche von ihnen wuchsen unter schwierigen sozialen Bedingungen auf, hatten daher eine ungünstige Prognose. Doch sie erwiesen sich als besonders robust und entwickelten sich positiv. Man nannte sie resilient. Zugleich tauchte der Resilienz-Begriff in der Ökosystemtheorie auf. Heute boomt medial und in der Selbsthilfeliteratur eine psychologische Vorstellung der Resilienz, die Ideen von Werner verwässert und popularisiert, aber auch Elemente der Ökosystemtheorie enthält.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Zeichen der Zeit: In Moskaus Straßen ist das „Z“ nicht so verbreitet, wie es die Staatspropaganda vermuten ließe.

          Russische Normalität : Moskau in Zeiten der „Spezialoperation“

          In der russischen Hauptstadt kehrt der Frühling ein, Restaurants sind gut besucht und in der Provinz, heißt es, habe sogar McDonald’s geöffnet. Nur in der Mittelschicht greift stille Verzweiflung um sich.
          Robinsonade  mit Logenblick: Das Como Laucala Island Resort gibt seinen Gästen die schöne Illusion, die Welt sei ganz allein für sie erschaffen worden.

          Paradiessuche in Fidschi : Kann man Glück kaufen?

          Einmal im Leben wollten wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn Geld keine Rolle spielt – und haben Strandurlaub unter Milliardären im Como Laucala Island Resort gemacht, einem der zehn teuersten Hotels der Welt.
          Bildungsmarkt
          Alles rund um das Thema Bildung
          Sprachkurs
          Verbessern Sie Ihr Englisch
          Sprachkurs
          Lernen Sie Französisch