https://www.faz.net/-gqz-72zz8

Krieg mit Drohnen : Das Gesicht unserer Gegner von morgen

  • -Aktualisiert am

„Search and Destroy“

Das tatsächliche Verständnis der Drohnen-Piloten für die Konstruktion, die Fehler und Probleme der Maschinen, die sie bedienen, bewegt sich ungefähr auf dem Niveau eines Hundeführers, der seine Tiere einigermaßen gut kennt. Er weiß nichts über die Neuronenverknüpfung im Hirn des Hundes, , aber viel über das typische Verhalten. Genauso wenig kennt der Drohnen-Pilot die Steuer-Software im Detail, er ist nur an das typische Output-Muster gewöhnt. Der gravierende Unterschied ist, dass die Menschheit schon ein paar tausend Jahre Erfahrung mit den Eigenarten und Eigenschaften von Haustieren hat, die sich nur relativ langsam verändern.

Wir stehen am Beginn eines Wettrüstens im Bereich der Algorithmen für letale Autonomie. Wer schneller ist und weniger Hemmungen hat, solche Systeme trotz aller Mängel auch einzusetzen, kann, so die Logik des neuen Wettrüstens, erhebliche strategische und finanzielle Vorteile haben und möglicherweise etwas Abschreckung verbreiten.Das neue Wettrüsten markiert einen Wendepunkt auch für Forscher, die sich im akademischen Bereich mit Robotern und künstlicher Intelligenz beschäftigen. Nun ist fast jedes Forschungsthema in diesem Feld relevant für den Bau neuer, intelligenterer Waffen.

Die beliebten Wettbewerbe für universitäre Roboterforscher haben neben dem Fußballspiel oft als Szenario das „Search and Rescue“, das Auffinden von Personen in unübersichtlichen Situationen und Geländen zum Zwecke ihrer Rettung aus Notlagen. Beim Militär gibt es eine von den Anforderungen her ausgesprochen ähnliche Mission: „Search and Destroy“. Dabei geht es ebenfalls um das Auffinden von Personen in unübersichtlichem Gelände. Nur das diese dann nicht gerettet, sondern getötet werden. Aus technischer Sicht ist der Unterschied nur, dass der Drohnenschwarm dann der gefundenen Person keine Markierungs-Bake mit Verbandspäckchen vor die Füße wirft, sondern eine Granate.

Mit hundertprozentiger Tödlichkeit

Das Ziel der aktuellen Entwicklungen sind noch nicht die aus Science-Fiction-Werken bekannten vollautonomen Roboter à la Terminator. Die Realität tödlicher Maschinen wird viel banaler, aber nicht weniger furchterregend. Auf den Schlachtfeldern der nächsten Jahre werden sogenannte intelligente „Area denial“-Waffen auftauchen. Aus Computerspielen als „Sentinel“ (Wächter) bekannt, handelt es sich um Roboterwaffen mit der überschaubaren Intelligenz einer modernen Alarmanlage. Ihre Aufgabe: auf alles, was sich in dem ihnen zugeteilten Geländeabschnitt, der sogenannten „kill box“, bewegt, zu feuern, bis sich nichts mehr bewegt.

An die Sensor- und Reaktionssysteme lassen sich je nach Bedarf und Produktkonzept von „weniger tödlichen“ Optionen wie Gummigeschossen über Maschinengewehre bis zu kleinen Granatwerfern die verschiedensten Schießgeräte adaptieren. Der Effekt ist der eines Minenfeldes mit hundertprozentiger Tödlichkeit.

Entwickelt wurden solche Systeme schon in Israel und Südkorea, um Grenzverletzer automatisch zu erschießen. Das gleiche Prinzip gibt es auch in Form fliegender Einweg-Drohnen, die über einem Schlachtfeld kreisen und auf das Auftauchen eines Ziels warten, um sich dann autonom auf dieses zu stürzen und zu explodieren, die „loitering ammunition“.

Weitere Themen

Topmeldungen

Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.
Die Union hat in Dresden die Kohle im Blick

Union und Kohleausstieg : „Es gilt das, was vereinbart ist: 2038“

Die Verunsicherung unter den Bergleuten war groß, als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jüngst einen Ausstieg aus der Kohle 2030 ins Spiel brachte. Annegret Kramp-Karrenbauer verspricht nun, am Kohle-Ausstiegstermin 2038 nicht mehr zu rütteln.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.