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Krieg mit Drohnen : Das Gesicht unserer Gegner von morgen

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Die Analyse typischer Bewegungsmuster

Die Datenströme aus den Sensoren des massenhaften Drohneneinsatzes überfordern schon jetzt die Kapazitäten der Übertragungssatelliten und entziehen sich der vollständigen Auswertbarkeit durch Menschen schon allein durch ihre schiere Masse. Die logische Konsequenz: Auch hier wird zunehmend mit maschineller Intelligenz gearbeitet, die nach Mustern sucht und daraus Handlungsempfehlungen ableitet. Formal ist der Soldat zwar noch der Raketenschütze, jedoch sind ihm viele wesentliche Entscheidungen, die lange vor dem eigentlichen Schuss liegen, längst aus der Hand genommen worden.

Menschen am Boden werden schon heute aus der Luft mit Raketen angegriffen, nur weil ihre typischen Bewegungsmuster, die ebenfalls von Drohnen erfasst und gegen in Datenbanken gespeicherte Aufzeichnungen abgeglichen werden, den vermuteten Bewegungen von Aufständischen entsprechen. Ob es sich dabei um Ziegenhirten, Schmuggler oder feindliche Soldaten handelt, ist für fliegende Kampfroboter nicht zu erkennen. Heute geschehen solche automatischen Analysen in den Steuerzentralen und Lagezentren, unter der Aufsicht von Menschen. Zukünftig soll dies an Bord der Drohne geschehen, um Zeit, Personal und Übertragungskapazität zu sparen.

Kommandogewalt nur noch auf einer abstrakten Ebene

Die Entwicklungsrichtung ist klar: Nur noch der finale Knopfdruck, das eigentliche Abfeuern der Rakete wird aus rechtlichen und moralischen Gründen dem Menschen überlassen. Er kann sich aufgrund seiner Erfahrung mit den typischen Fehlern der Maschinen derzeit noch entscheiden, nicht zu schießen. Und auch dabei wird er demnächst von Algorithmen beobachtet, die aus seinem Verhalten lernen, um beim nächsten Mal besser zu sein. Irgendwann, in absehbarer Zeit wird der finale Knopfdruck nur noch ein Ritual, eine Handlung, die eigentlich überflüssig ist, weil sie keine bewusste Entscheidung mehr darstellt, sondern nur noch die althergebrachte Tradition, im Angesicht der technischen Möglichkeiten eine immer ineffizienter und antiquierter erscheinende Moralverpflichtung. Da der Mensch die Kapazität zur Aufnahme, zum Verständnis und zur Einordnung der immensen, von Maschinen für Maschinen generierten Datenströme schlicht nicht hat, bleibt ihm die Kommandogewalt nur noch auf einer abstrakten Ebene erhalten.

Es fällt schwer, greifbare Kategorien für unsere Beziehungen zu algorithmischen „Intelligenzen“ zu finden. Stellen wir uns einen gut trainierten Hund vor. Wir können nicht immer vorhersagen, warum und was er im nächsten Moment tun wird, aber wir können ihm Befehle erteilen, seine Fähigkeiten nutzen und Erfahrungswissen über sein Verhalten und seine Reaktionen sammeln. Unser algorithmisch „intelligenter“ Hund unterscheidet sich jedoch darin, dass er eine nahezu unbeschränkte Aufnahmefähigkeit und ein perfektes Gedächtnis hat.

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