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BVG kippt Sampling-Urteil : So wird Hip-Hop nun einmal gemacht

  • Aktualisiert am

Moses Pelham im November vor einer Verhandlung im Bundesverfassungsgericht Bild: dpa

Das Bundesverfassungsgericht weiß um die Bedingungen der „Schaffung von Musikstücken einer bestimmten Stilrichtung“: Es kippt das BGH-Urteil um ein Zwei-Sekunden-Sample des Produzenten Moses Pelham aus einem Kraftwerk-Stück.

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          Etappensieg für Moses Pelham: Im Streit um die Verarbeitung einer fremden Rhythmussequenz ohne Erlaubnis hat der Komponist und Produzent sich vor dem Bundesverfassungsgericht durchgesetzt. Seine Klage gegen mehrere Urteile hatte Erfolg, der Fall muss neu entschieden werden, wie an diesem Dienstag verkündet wurde.

          Um den zweisekündigen Beat streitet Pelham seit mehr als einem Jahrzehnt mit den Elektropop-Pionieren Kraftwerk. Er hatte ihn 1997 ohne zu fragen aus dem Kraftwerk-Titel „Metall auf Metall“ von 1977 kopiert und in Endlosschleife unter den mit der Rapperin Sabrina Setlur aufgenommenen Song „Nur mir“ gelegt. Diese Interpretation in neuem Kontext nennt man Sampling. Sie ist vor allem im Hip-Hop üblich. Derzeit darf das Stück nicht verbreitet werden. Dagegen hatte Pelham mit anderen Produzenten und Musikern geklagt.

          Aus „Metall auf Metall“ von seiner Gruppe Kraftwerk stammen die Sekunden, die Pelham ohne Rücksprache verwendet hat: Ralf Hütter  im November 2015 im Bundesverfassungsgericht.
          Aus „Metall auf Metall“ von seiner Gruppe Kraftwerk stammen die Sekunden, die Pelham ohne Rücksprache verwendet hat: Ralf Hütter im November 2015 im Bundesverfassungsgericht. : Bild: dpa

          Der Bundesgerichtshof (BGH) muss den Fall nun noch einmal bewerten. Seine Urteile – zuletzt von 2012 – trügen der Kunstfreiheit nicht hinreichend Rechnung, sagte Vize-Gerichtspräsident Ferdinand Kirchhof in Karlsruhe. Er begründete die Entscheidung mit der Kürze der Sequenz. Daraus sei ein neues, eigenständiges Kunstwerk entstanden, ohne dass Kraftwerk dadurch wirtschaftlichen Schaden habe. Ein Verbot würde „die Schaffung von Musikstücken einer bestimmten Stilrichtung praktisch ausschließen“, sagte er. In der Urteilsbegründung (Az. 1 BvR 1585/13) heißt es, durch die Vorgabe, der Musiker müsse sich entweder um eine Samplelizenzierung durch den Tonträgerhersteller bemühen oder das Sample selbst nachspielen, würde „die künstlerische Betätigungsfreiheit und damit auch die kulturelle Fortentwicklung eingeschränkt“. Dieses Argument griff Moses Pelham nach der Urteilsverkündung auf: „Ich bin sehr erleichtert, ich bin mit dem Urteil sehr glücklich. Ich glaube, dass es für die Fortentwicklung der Kunst ein sehr, sehr wichtiges Urteil ist.“

          Die BGH-Richter hatten entschieden, dass ein fremder Beat – und sei er noch so kurz – nur dann einfach kopiert werden darf, wenn er nicht gleichwertig nachgespielt werden kann. Dieses Kriterium halten die Verfassungsrichter für ungeeignet. Für die Benutzung müsse auch nicht unbedingt Geld fließen. Die Richter weisen aber darauf hin, dass der Gesetzgeber auch eine Bezahlpflicht einführen könnte. Außerdem schlagen sie dem BGH vor, den Fall dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen, weil das Urheberrecht seit 2002 EU-weit harmonisiert ist.

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