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Die Biometrie und ihre Tücken : Daumen hoch!

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Der Fingerabdruck der Verteidigungsministerin: Jan Krisslers Präsentation beim 31. Chaos Communication Congress Bild: dpa

Hätten Sie gern den Fingerabdruck von Ursula von der Leyen? Der alte Agententrick mit dem Trinkglas ist passé. Inzwischen reicht ein Bild mit hoher Datendichte. Und trotzdem ist die biometrische Identifikation allgegenwärtig.

          Der Hacker Jan „Starbug“ Krissler hatte den Fingerabdruckscanner von Apple schon ausgetrickst, da war das Gerät in den Geschäften noch gar nicht zu kaufen. Der „TouchID“, eingebaut ins iPhone, soll das Leben leichter machen. Niemand muss sich mehr achtstellige Passwörter mit Großbuchstaben, Sonderzeichen und Ziffern merken. Es braucht nur den Fingerabdruck und Sesam öffnet sich. Das Dumme ist nur: Mit dem richtigen Fingerabdruck kommen auch die Falschen ans Ziel. Das hatte „Starbug“ demonstriert und nun, mehr als ein Jahr später, legte der Hacker in Hamburg beim 31. Chaos Communication Congress nach.

          Er zeigte, wie man sich den Fingerabdruck von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen besorgen könnte - auf denkbar simple Weise. Den Trick aus dem Kinofilm kennt jeder: Man schnappt sich das Bierglas, das jemand eben noch an der Bar in der Hand hatte, staubt es ein, zieht die Fingerabdrücke auf eine Folie und hält sie vor den nächsten Sensor, um zu irgendetwas Zutritt zu erhalten. Das Verfahren kann erfolgreich sein, ist aber ziemlich kompliziert. Was könnte man stattdessen machen? In die Bundespressekonferenz gehen, ein 200-Millimeter-Objektiv mitnehmen, Menschen auf der Bühne fotografieren und den Fingerabdruck vom hochauflösenden Bild ablesen. Genau das hat „Starbug“ auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs vorgeführt.

          Auf die Finger geschaut: Verteidigungsministerin von der Leyen Bilderstrecke

          Es geht aber noch einfacher: Ein Bild im Internet suchen, Finger ausschneiden, Fingerabdruck nachbauen, auf Folie ausdrucken - nutzen. Die Bildersuche bei Google bietet Anschauungsmaterial noch und nöcher. Wer da nicht alles den Daumen hebt - Daumen hoch zum Scannen. Doch es gibt noch eine Variante: Wer die Kanzlerin fotografiert, hat ihre Iris dupliziert. Sollte der mit meterdicken Wänden gesicherte, abhörsichere Raum für Geheimnisse im Kanzleramt mit Fingerabdruck- und Iris-Scannern gesichert sein, hat jeder Zutritt, der in der Lage ist, ein Bild der Kanzlerin im Internet zu suchen und gut auszudrucken.

          Das Szenario dürfte dort schon einmal besprochen worden sein. Denn es gibt ein weiteres Problem: Die Biometrie ist als Ausweisverfahren allgegenwärtig. Eine Expertengruppe von Bund und Ländern befasst sich zurzeit mit der Frage, wie Agenten noch über eine Staatsgrenze kommen, ohne dass sie durch biometrische Erkennung enttarnt werden. Sie mögen aufwendig gefälschte Pässe haben, gefälschte Gesichter und Finger haben sie nicht. Biometrie ist somit nicht nur untauglich für Sicherheitsaufgaben, sie ist Hexenwerk. Sie vereinfacht den Alltag für uns Konsumenten. Dafür bezahlen wir einen hohen Preis. Der Alltag der Gauner um uns herum wird nämlich auch immer einfacher.

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