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Hohenzollern-Debatte : Sperrige Wiedergänger

  • -Aktualisiert am

Ernst Röhm (Mi.) auf der Stahlhelm-Führertagung in Hannover. Links Heinrich Himmler, rechts von Röhm Franz Seldte und der ehem. Kronprinz Wilhelm von Preußen. Links hinter Himmler Hans von Tschammer und Osten. Bild: SZ Photo

Die Kontroverse um die Hohenzollern ruft eine schicksalhafte Phase der deutschen Geschichte ins Gedächtnis: den Untergang der Weimarer Republik. Was lernen wir daraus für die Gegenwart?

          7 Min.

          Als Wiedergänger bezeichnet man Tote, die als unerlöste Seelen keine Ruhe finden und deshalb immer wieder auftauchen, oft an den Orten ihres ungesühnten Frevels. In mythischen Erzählungen kann der als Gespenst auftretende Wiedergänger oft nur durch die völlige Zerstörung des Leichnams erlöst und der Spuk so gebannt werden. Warum begleiten uns ausgerechnet politische Gespenstergeschichten seit dem neunzehnten Jahrhundert und lösen Erregungswellen aus, wie wir sie derzeit in der Debatte um das Verhältnis zwischen den Hohenzollern und dem Nationalsozialismus erleben? Hinter der Wiedergängerei standen Umbruchserfahrungen, unsichere Erwartungen an die Zukunft und mit Hilfe imaginierter Erlösungsfiguren formulierte Kritik an der Gegenwart – man denke nur an die Konjunkturen Barbarossas im Kyffhäuser oder die unzähligen medialen Bismarck-Erscheinungen nach seinem Tod.

          Analytisch blickte Karl Marx bereits 1852 auf dieses Phänomen. In seiner Untersuchung des „Achtzehnten Brumaire“, des Staatsstreichs des Prinzen Louis Bonaparte gegen die Zweite Französische Republik im Dezember 1851, schrieb er: „Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen.“ Das Beispiel Louis Napoleons belege, so Marx, diese Dopplung der historischen Ereignisse, das erste Mal als Tragödie unter Napoleon I., das zweite Mal als Farce unter dem neobonapartistischen Regime seines Neffen.

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