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Erdbeben-Lasagne : „Charlie Hebdo“ versucht sich an einer Erklärung

Ausgaben der „Charlie Hebdo“ in einem Kiosk Bild: dpa

Die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ hat sich mit ihren Karikaturen zum Erdbeben in Amatrice in die Nesseln gesetzt. Jetzt schiebt die Redaktion eine erklärende Zeichnung nach.

          Satire darf alles, so hieß es zuletzt im Streit um das „Schmähkritik“-Gedicht von Jan Böhmermann auf den türkischen Präsidenten Erdogan. Dass Satire alles versuchen darf und dabei scheitern kann, zeigt das Missverständnis, welches die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ jetzt verursacht hat. Unter der Überschrift „Erdbeben auf italienisch“ zeigt eine Zeichnung einen verletzten, blutverschmierten Mann („Penne mit Tomatensauce“), eine Frau mit Verbrennungen („Penne überbacken“) und zwischen Steinschichten zerquetschte Menschen („Lasagne“). Die Karikatur ist als Pietätlosigkeit sondergleichen aufgefasst und sogleich zum Politikum geworden.

          Wegen dieser Zeichnung wird „Charlie Hebdo“ verklagt. Sie trägt den Titel „Erdbeben auf italienische Art“.
          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Wie zum Teufel kann man eine Karikatur über die Toten machen?“, sagte Sergio Pirozzi, der Bürgermeister von Amatrice. Der Ort war von dem Erdbeben am 24. August, bei dem mehr als 280 Menschen ums Leben kamen, besonders betroffen. Die Karikatur sei „ekelhaft und peinlich“. Ähnlich äußerten sich der italienische Justizminister und der Präsident des Senats. Die französische Botschaft in Rom distanzierte sich von dem Bild: „Die von ,Charlie Hebdo' veröffentlichte Zeichnung repräsentiert absolut nicht die Haltung Frankreichs.“ Im Internet schaukelte sich die Kritik an „Charlie Hebdo“ schnell hoch. Hatte es nach dem Attentat auf die Redaktion der Zeitung, bei dem zwei Islamisten im Januar 2015 elf Menschen töteten, noch weltweit geheißen „Je suis Charlie“, gibt es nun bei Twitter den Hashtag „Je ne suis pas Charlie“. Die Verbitterung ist groß.

          Und sie ist offenbar bei „Charlie Hebdo“ angekommen- Die Redaktion hat mit einer Zeichnung der Karikaturistin Coco nämlich die Intention der vorangegangenen Karikatur erklärt. Auf Cocos Bild ist eine schwerverletzte Frau zu sehen, die sich aus Trümmern eingestürzter Häuser befreit. Sie sagt uns: „Italiener – nicht ,Charlie Hebdo' baut eure Häuser, das macht die Mafia!“

          Auch mit derlei Nachhilfe zum besseren Verständnis muss man die Karikatur sicherlich nicht für gelungen halten. Es erstaunt aber doch, dass ausgerechnet Jan Böhmermann twittert: „Muss Satire, bevor sie was bzw. alles darf, nicht erstmal was wollen? Wenn ja, was will Charlie Hebdo mit der Erdbebenlasagne?“ Was wollte Böhmermann nochmal mit seinem Schmähgedicht?

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