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Kongreßwahl : Im Zweifel für die Republikaner

Ihre Anhänger werden die Wahl argwöhnisch verfolgen: die Demokratin Nancy Pelosi Bild: AP

Die amerikanische Kongreßwahl hat viele Tücken. Die diversen Wahlmaschinen haben eines gemeinsam: Sie sind anfällig. Dabei sind sie nur eine der vielen Unwägbarkeiten, die einem Mehrheitsentscheid an diesem Dienstag im Wege stehen.

          Wo treibt sich eigentlich Michael Moore herum? Warum hat er keinen Film zur kommenden Kongreßwahl gedreht? Wie ist es zu erklären, daß er das weite, skandalträchtige Feld der Konkurrenz überläßt, die freilich auch nicht schüchtern ist und ihn bisweilen an Sorgfalt übertrifft? Nehmen wir nur Simon Ardizzone und Russell Michaels. Mit „Hacking Democracy“ scheinen die beiden Dokumentarfilmer vorzuhaben, jedem rechtschaffenen amerikanischen Wähler den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Es geht um wahltechnische Unregelmäßigkeiten. Spätestens seit dem Auszählungsfiasko des Jahres 2000 versteht Amerika darunter Vorfälle, die Vorstellungen von einer funktionierenden Demokratie sprengen könnten.

          Jordan Mejias

          Feuilletonkorrespondent in New York.

          Eine Unregelmäßigkeit ereignete sich damals etwa im floridianischen Kreis Volusia. Dort verzeichnete ein Wahlcomputer die erstaunliche Zahl von minus 16.022 Stimmen für den Kandidaten Al Gore. Aber Unregelmäßigkeiten, die auf allerneueste Elektronik zurückgingen, gab es auch schon in den neunziger Jahren. In Louisiana wollte eine Kandidatin für die Landgemeinde Jefferson einen der neuen Wahlcomputer testen, tippte ihren Namen an, und die Stimme bekam ihr Gegner. Auch beim zweiten Mal bestand das Ding darauf, eine andere Wahl zu treffen als seine Benutzerin. Fünfzehn weitere elektronische Wahlapparate entschieden ebenso selbständig.

          Vertrauenerweckend sind sie nicht

          Inzwischen zogen ein paar Jahre ins Land, Zeit genug, die Maschinen neu zu erfinden. Die kommende Kongreßwahl, bei der ein Sieg der Demokraten mit Nancy Pelosi zum ersten Mal eine Frau zur Sprecherin des Hauses machen könnte, wird zeigen, wieviel sich geändert hat. Manche der neuen Maschinen sind nun mit Touchscreens ausgestattet, manche mit Tastaturen. Manche spucken auf Wunsch eine papierene Bestätigung aus, manche weigern sich, das zu tun, und alle erwecken sie, ganz wie zuvor, wenig Vertrauen. In Florida und South Carolina wurden bei Tests wieder Stimmen falsch sortiert. In Texas haben einige Wahlcomputer Schwierigkeiten, den Namen der Kandidaten voll auszubuchstabieren, und andere waren so frei, bei einer Vorwahl 150 000 Stimmen zu zählen, obwohl nur 50 000 Wähler ihr Wahlrecht ausübten. In Colorado verbot ein Richter, die Maschinen, die er unzuverlässig nannte, nach dem heutigen Wahltag noch einmal zu benutzen. Natürlich stehen schon Anwälte bereit, die Wahl anzufechten.

          In einer Untersuchung des Brennan Center for Justice an der New York University, eines Instituts, das als Mitarbeiter auch den ehemaligen Sicherheitschef für Cyberfragen der Regierung Bush vorweisen kann, wurden diese Rechner als verletzbar eingestuft. Auf drahtlosem Weg, so die Studie, wäre ein Hacker in der Lage, schon mit einem Palm Pilot das Wahlergebnis nach seinem Gutdünken zu gestalten. Ohne Papierbelege, die in vielen Wahlkreisen als überflüssig gelten, sind diese Eingriffe nicht einmal zu bemerken oder gar nachzuweisen. Es heißt darum schon, am besten sollten die Wähler an die Wahl einfach glauben.

          Auch ohne Hacker und Virenbefall

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