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Dilemma der Triage : Wen soll man sterben lassen?

  • -Aktualisiert am

Triagezentrum von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel Bild: dpa

Das Coronavirus führt in tragische Entscheidungskonflikte. Für wen werden Beatmungsplätze vorgesehen, wenn sie nicht mehr für alle ausreichen, die sie benötigen? Gastbeitrag einer Medizinethikerin.

          7 Min.

          Überall auf der Welt stellt sich angesichts der Covid-19-Pandemie die bedrückende Frage: Wie regelt man den Zugang zu Beatmungsplätzen, wenn sie nicht mehr für alle lebensbedrohlich Erkrankten ausreichen? Wie soll man darüber entscheiden, welche Patienten sterben müssen, weil man aus Kapazitätsgründen nicht alle retten kann? In einigen Ländern – allen voran Italien – ist dieser tragische Zustand längst erreicht, in vielen anderen wird er befürchtet. Alle politischen Anstrengungen, die Infektionskurven abzuflachen (Shutdown; Lockdown), sind verzweifelte Versuche, Todesfälle durch solche Versorgungsdefizite zu vermeiden. Wie weit das gelingt, weiß niemand. Das gilt auch für Deutschland mit seiner insgesamt privilegierten Intensivausstattung (pro 100.000 Einwohner stehen hierzulande 34, in Großbritannien 7 und in Kenia 0,26 solcher Betten bereit).

          Uns allen erscheint dieser Ernstfall, sollte er eintreten, grauenhaft, weit entsetzlicher als andere Verteilungskonflikte (wie auch sie in der Covid-19-Krise dramatisch zunehmen), in denen es um ökonomische, psychische oder medizinische Risiken geht. Vor deren vielleicht gleichfalls tödlichen Auswirkungen in der Zukunft und in der Statistik kann man leichter die Augen verschließen. Unmittelbar sichtbares Sterbenlassen durch Auswahlentscheidungen hingegen hat für uns eine andere Entsetzensdimension als etwa der Tod auf der Warteliste für ein knappes Transplantationsorgan. Das lassen nicht nur die Bilder weinender Ärzte aus der Lombardei ahnen. Direkt vergleichbar damit sind allein tragische Rettungskonflikte bei Naturkatastrophen, bei Massenunfällen oder auf den Schlachtfeldern des Krieges. Von daher stammt der für den Corona-Kontext verwendete historische Begriff der Triage. Er steht heute, bald enger, bald weiter verstanden, für Vorrangentscheidungen über Leben und Tod unter akuter Knappheit. Anders als Militär oder Rettungswesen für ihre Bereiche, haben die meisten für die Intensivversorgung zuständigen Institutionen national wie international ein solches Knappheitsszenario weder vorausgesehen noch antizipierend geregelt. Das ist verständlich, aber jetzt doch äußerst bedauerlich. Denn ohne irgendeine Entscheidungsstrategie kommt man nicht aus.

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