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Kolonialismusdebatte : Wie hält es die Historie mit der historischen Wahrheit?

  • -Aktualisiert am

So stellte sich das Abendland den Sex- und Menschenhandel in der arabischen Welt vor: Jean-Léon Gérômes Gemälde „Sklavenmarkt“ von 1866 Bild: Mauritius

Wenn Historiker in öffentlichen Debatten den Forschungsstand einfach ignorieren, dann ist das eine beunruhigende Aussage über den Zustand ihres Fachs. Eine Replik auf Rebekka Habermas.

          7 Min.

          Gegen meinen Aufsatz „Schuldig gesprochene Vergangenheit“ hat Rebekka Habermas, Historikerin an der Universität Göttingen, in der „Zeit“ vom 27. Oktober Einspruch erhoben. Mein Thema, eine Kritik des Begriffs „Historische Gerechtigkeit“, ignoriert sie. Das Geschlängel ihrer Widerworte rät mir von einer Antwort ab. Nicht schweigen kann ein Historiker freilich zu zwei Behauptungen. Erstens leugnet Rebekka Habermas, dass die Abolition der Sklaverei eine europäische Errungenschaft ist. Sie nennt diese „die sogenannte Sklavenbefreiung“. Doch die Abolition kann nur leugnen, wer sämtliche Formen von Unfreiheit für Sklaverei hält – von der Schuldknechtschaft über die Leibeigenschaft bis zur Zwangsprostitution – gegen alle Regeln soziologischer Kategorienbildung und mit grotesker historischer Entdifferenzierung.

          Meine Kritikerin übergeht die maßgeblichen Studien von Seymour Drescher (2009), Olivier Pétré-Grenouilleau (2017) und anderen, welche den Charakter dieser „abolitionistischen Revolution“ nochmals erörtert haben, eine Revolution, die einen tiefen Bruch in der Weltgeschichte darstellen dürfte. Wie kann eine Historikerin diesen dokumentierten und erforschten Sachverhalt bestreiten? Zweitens behauptet sie, dass die Sklaverei „durch die Europäer in Afrika eingeführt wurde“. Sie ignoriert also Claude Meillassoux ebenso wie Malek Chebel und wischt die Forschung zur afrikanischen Sklaverei vom Tisch. Wie kann eine Historikerin eine solche Unwahrheit propagieren? Kurzum, es fragt sich, wie fake history in der Geschichtswissenschaft hoffähig geworden ist.

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