https://www.faz.net/-gqz-utfx

Kölner Moscheen-Debatte : Ich möchte die Muslime aus dem Hinterhof holen

  • Aktualisiert am

Die Moschee ein Triumph? Worüber? Architekt Paul Böhm über seinen umstrittenen Entwurf für Köln Bild: dpa

Ein Katholik darf eine Moschee bauen, aber ein Muslim keine Kirche: Ist Baukunst auch eine Glaubensfrage? Ein Gespräch mit Paul Böhm, der die viel diskutierte Moschee in Köln plant.

          4 Min.

          Ein Katholik darf eine Moschee bauen, aber ein Muslim kein katholisches Gotteshaus: Ist Baukunst auch eine Glaubensfrage? Ein Gespräch mit dem Architekten Paul Böhm, Sohn des Kirchenbaumeisters Gottfried Böhm, der die Großmoschee in Köln plant

          Muss denn ein Architekt nicht Muslim sein, um eine Moschee bauen zu können?

          Nein, natürlich nicht. Er muss ja auch nicht krank sein, um ein Krankenhaus zu bauen. Die Aufgabe des Architekten ist es, sich in das Projekt hineinzudenken, in seinen Charakter und die funktionalen Abläufe. Das ist jedes Mal eine neue Herausforderung. Aber ein Architekt muss Katholik oder Protestant sein, um einen Auftrag der jeweiligen Kirche zu erhalten. Die Geschichte des Kirchenbaus in Deutschland ist konfessionell getrennt.

          Architekt Paul Böhm

          Sind die Muslime da toleranter?

          Ja, offener. Auch Sinan (1489 bis 1588), der als Vater der osmanischen Architektur gilt und viele bedeutende Moscheen gebaut hat, war christlicher Herkunft.

          Aber das Architekturbüro Böhm hat nie eine protestantische Kirche gebaut oder eine Synagoge.

          Wir haben mal an einem Wettbewerb für eine Synagoge teilgenommen, sind aber nicht zum Zuge gekommen.

          Sie wollten unbedingt an dem Wettbewerb für die Großmoschee teilnehmen. Was war Ihnen daran so wichtig?

          Ich beobachte schon seit Jahren, wie Muslime ihrem Glauben und ihrem Gemeindeleben in Hinterhöfen und aufgelassenen Ladenlokalen nachgehen. Mich hat das immer gestört. Das hat auch etwas Konspiratives, wie sie aus ihren Höhlen herauskriechen, schnell in die Schuhe schlüpfen und sich an der Wand entlangdrücken. Ich hatte das Gefühl, Muslime genieren sich für diese Orte. Als wir zu dem Wettbewerb eingeladen wurden, war es für mich keine Frage, dass ich mitmache.

          War das Thema Sakralbau von primärem Interesse und nicht so sehr, für welche Konfession?

          Ich interessiere mich für Menschen, die glauben. Ich finde das bewundernswert, weil es mir selber sehr schwerfällt. Für diese Menschen, ob sie Christen, Juden, Muslime oder Buddhisten sind, baue ich gerne ein adäquates Haus. Es sind in jedem Fall Menschen, die ihren Frieden suchen.

          Wie war die Bauaufgabe definiert? Hatten Sie große Spielräume?

          Es gab ein konkretes Raumprogramm, liturgische Aspekte, die eingehalten werden mussten, und den Wunsch, einen Kuppelraum und zwei Minarette zu planen.

          Ging es nicht auch um die Repräsentanz im Stadtbild?

          Ich weiß nicht mehr, ob etwas in der Auslobung stand, doch irgendwo ist das Wort "repräsentativ" gefallen.

          Aber von Ihren Intentionen her ist das doch von großer Bedeutung.

          Uns liegt sehr daran, ein Haus zu bauen, wo die Leute gerne hingehen. Im Grund ist es wie ein Gemeindezentrum.

          Wie erscheint die Moschee im Stadtbild: Fügt sie sich ein, oder irritiert sie es?

          Das Gemeindezentrum vermittelt zwischen der viergeschossigen Wohnbebauung aus der Gründerzeit in Ehrenfeld und den bis zu siebzig Meter hohen Bürobauten auf der anderen Seite der Inneren Kanalstraße und dem Fernsehturm mit 266 Metern. Auch der Baukörper ist in sich gestaffelt. Von dem viereinhalbgeschossigen Riegel mit Läden, Schulungsräumen und Büros über die 34 Meter hohe Kuppel bis zu den 53 Meter hohen Minaretten.

          „Eine Art Siegesturm" nennt die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel das Minarett: "das sichtbare Zeichen der Gegenwart des Islam in einem neu eroberten Gebiet". Also Ausdruck eines Triumphes.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Krankhaftes Sexualverhalten : Wenn die Lust zur Qual wird

          Ähnlich wie Drogen- und Spielsüchtige sind auch Sexbesessene darauf aus, sich stets neue „Kicks“ zu verschaffen. Vielen Patienten könne eine Verhaltenstherapie helfen, sagen Forscher. Jedoch hilft nicht jeder Lösungsansatz.
          Blick aus der Vogelperspektive: Neben dem Messegelände wird auch das Europaviertel weiter gestaltet.

          Baubeginn 2020 : Der zweite Messe-Turm

          Die Gustav-Zech-Stiftung errichtet bis 2024 im Frankfurter Europaviertel einen neuen Messeeingang und ein Hochhaus. Dem Wahrzeichen am Haupteingang soll es aber keine Konkurrenz machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.